Venture Capital: Risikokapital für die Existenzgründung

Definition und Eigenschaften von Venture Capital

Venture Capital oder zu Deutsch: Risikokapital – wird von Beteiligungsgesellschaften außerbörslich für riskante Unternehmungen bereitgestellt. Riskant, weil sich diese Risikokapitalbeteiligungen durch folgende Punkte auszeichnen:

  1. Venture Capital wird in der Regel in junge und innovative Start-ups aus der Technologiebranche investiert.
  2. Diese Start-ups würden über eine herkömmliche Kreditfinanzierung nur schwer an Kapital gelangen.
  3. Gewinne können nicht garantiert werden, mit einem Totalverlust ist im Worst-Case zu rechnen.
  4. Ziel der Kapitalbeteiligung ist es, durch einen späteren Verkauf der Anteile Gewinne zu erzielen (Exit).
  5. Neben Kapital wird auch wirtschaftliches Know-how durch die Investoren zur Verfügung gestellt.
  6. Der Investor erhält dafür: Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte.

Finanzierungskapital und deren Beschaffung

Ein wesentlicher Maßstab zur Beurteilung der tendenziellen Vergabehöhen von Finanzierungskapital ist das vorhandene Eigenkapital. Eine vernünftige Ausstattung mit Eigenkapital ist bei Unternehmen jeder Art unumgänglich. Am Grad der Eigenkapitalquote im Unternehmen misst der Finanziers die erste Risikospanne, bevor eine Beteiligung stattfindet. Die Berechnung des Deckungsgrades 1 aus dem prozentualen Verhältnis von Eigenkapital zu Anlagevermögen sollte zwischen 80 bis 100 Prozent liegen. Damit gibt die Kennzahl Auskunft über die langfristige Liquidität eines kleinen- und mittleren Unternehmens (KMU). Ergänzend kann der Deckungsgrad 2 aus dem prozentualen Verhältnis von Eigenkapital zuzüglich langfristigem Fremdkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen ein Zielerreichungsgrad von 100 bis 120 Prozent angepeilt werden. Er gibt Auskunft, ob das Anlagekapital durch das Eigenkapital und das Fremdkapital gedeckt ist.

Die Eigenkapitalquote

Eigenkapital ist ein Indikator für Solidität und Stabilität sowie Bonität der Unternehmungen. In der Wirtschaftstheorie ist festgehalten, dass ein Unternehmen die Grenze von 20 Prozent Eigenkapital nicht unterschreiten sollte. Durch eine hohe Eigenkapitalquote steht eine hohe Sicherheit im Vordergrund, was positiv honoriert wird. Das Unternehmen ist gesund. Die Struktur der deutschen Beteiligungskapitalwirtschaft ist ein Indikator für die niedrigen kapitalisierten Eigenkapitalanteile. Entweder wird es nicht berücksichtigt, dass Eigenkapital ein geschäftspolitisches Muss für Unternehmen ist oder die Unternehmen setzen auf die Fremdkapitalaufnahme.

Die Beschaffung von Fremdmitteln

Dabei sind die Venture Capital-Mittel mittlerweile zahlreich in Deutschland vertreten. De Zahl der Unternehmensgründungen hat in Deutschland bereits in den neunziger Jahren tendenziell zugenommen, vor allem in der Spitzentechnik und in der Nachrichtenübermittlung (Internet und Telekommunikation). Parallel zu dieser Gründungswelle hat sich der Markt für Beteiligungskapital (Risikokapital) erheblich ausgedehnt, vor allem im Segment der Gründungs- und Frühphasenfinanzierung. Das Unternehmen kombiniert die Mittel aus der Innen- oder Außenfinanzierung. Die Herkunft des Kapitals ist somit festgelegt.


Zur Innenfinanzierung gehört auch die interne Fremdfinanzierung. Fremdfinanzierung bedeutet immer eine Schuldübernahme. Die interne Fremdfinanzierung umfasst ein Eintreten externer Geldgeber ins Unternehmen.

Die Außenfinanzierung ist die reine Fremdfinanzierung. Risikokapital zählt zur Kreditfinanzierung und Beteiligungsfinanzierung. Risikokapital aus den Quellen von Venture Capital-Gebern stellt einen besonderen Fonds dar, weil es sich hierbei um eine direkte Beteiligung am Unternehmensrisiko handelt. Folglich wird durch die Struktur der Venture Capital-Unternehmen indirektes Eigenkapital vergeben.


Risikokapital aus einer Venture Capital-Beteiligung

Beteiligungsgesellschaften haben das gleiche Interesse, wie alle anderen Beteiligten. Sie wollen Geld verdienen. Ein neues Unternehmen wird nach marktrelevanten Gesichtspunkten bewertet und kann durch einen wachsenden Mehrwert einen Gewinn ausweisen. Werden die Anteile der Beteiligungsgesellschaft am KMU verkauft, so wird der Gewinn zum Ertrag für die risikohafte Anlageform.

Arten von Beteiligungsgesellschaften

Man unterscheidet folgende drei Arten von Beteiligungsgesellschaften:
– Überregionale Venture-Capital-Gesellschaften,
– Regionale Beteiligungsgesellschaften,
– Öffentlich geförderte Beteiligungsgesellschaften.

Merkmale von Beteiligungsgesellschaften

Die drei Arten von Beteiligungsgesellschaften lassen sich anhand weniger Merkmale klassifizieren. Bei den privaten Beteiligungsgesellschaften steht die Renditeerzielung im Vordergrund. Die Dauer der Beteiligung und zur Verfügungstellung von Eigenkapital und Finanzierungsmittel variiert jedoch zwischen kurz- und langfristig und einmal bis mehrmals.
Aus Gründen des Marktversagens beteiligen sich öffentlich geförderte Gesellschaften an jenen Unternehmen, an denen sich nicht geförderte Gesellschaften nur zögerlich oder gar nicht beteiligen, obwohl es volkswirtschaftlich sinnvoll und wirtschaftspolitisch wünschenswert wäre. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sollten die öffentlich geförderten Gesellschaften in Hinsicht ihrer Zielgruppen nicht mit privatwirtschaftlichen Gesellschaften konkurrieren bzw. die Beteiligungen sollten komplementär eingegangen werden. Ansonsten ist zu befürchten, dass die Entwicklung des erst seit wenigen Jahren im Entstehen begriffenen Beteiligungskapitalmarktes behindert wird.
Die Venture Capital-Unternehmen versuchen für sich eine Rendite zu optimieren. Ihre Risikoaversion ist uneingeschränkter, als im Kreditbereich der Hausbanken. Dafür sind sie Spezialfinanzierer. Interessant ist in erster Linie der mögliche Ertrag, bei einem schwer kalkulierbaren Risiko, für das bereitgestellte Eigenkapital.

Eigenschaften des Beteiligungskapitals

Es handelt sich um Beteiligungskapital oder beteiligungsähnliches Kapital, das wachstumsträchtigen technologisch innovativen, im Zielzustand rechtlich selbstständigen, kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung gestellt wird und erfüllt die folgenden Eigenschaften:
– es besteht keine Rückzahlungsverpflichtung,
– es besteht kein Kündigungsrecht des Kapitalgebers,
– es ist kein fester Zinsanspruch vereinbart,
– es geht im Konkursfall alles verloren.

Die Vergabe von Beteiligungskapital

Die Vergabe von Beteiligungskapital ist eine sensible Angelegenheit. Die Frage ist, ob eine Beteiligungsgesellschaft sich an einer innovativen Unternehmung beteiligen wird, wenn nicht ein Funken des Erfolges zu erkennen ist? Venture Capital-Unternehmen, die ihre Reputation zur Verfügung stellen und ein umfassendes Beratungsangebot bieten, erhalten einen umfassenden Einblick ins biotechnologische KMU, was sich positiv auf die Beteiligung auswirkt. Nur auf dieser technisch nahen Informationsebene kann es funktionieren, weil Kompromisse geschlossen werden müssen. Venture Capital ist Arbeits- und Eigenkapital für die beginnenden Maßnahmen zur Aufnahme des FuE-Geschäftsbetriebes. In diesem Fall handelt es sich um eine Anschubunterstützung.


Bei neu gegründeten Unternehmen ist eine Kreditfinanzierung des Wachstums kaum möglich, weil Wachstum anfangs kaum messbar ist. Für Neulinge ist die Marktposition ein Handicap, weil sie erst noch gebildet werden soll. Für die meisten jungen innovativen Unternehmen stellt damit die Beteiligungsfinanzierung neben der Zuhilfenahme öffentlicher Fördermittel eine zentrale Möglichkeit der Wachstumsfinanzierung dar. Die Beteiligungsfirmen sehen in der Regel eine Beteiligung von 10 Prozent vor. Die Höhe des Engagements schwankt zwischen zwei und hundert Millionen Euro. Eine Mehrheitseinheit soll nicht entstehen. Die Beteiligung schließt eine strategische Einflussnahme aus. Die Geschäfte sollen anderweitig geleitet werden. Lediglich eine Beteiligung am Erfolg wird vorausgesetzt (natürlich auch am Misserfolg). Die Investitionsentscheidung der Venture Capital-Gesellschaften wird nicht durch dingliche Sicherheiten abgesichert, sondern beruht ausschließlich auf der Prognose der zukünftigen Ertragschancen. Daher sind Venture Capital-Aktivitäten im Falle einer Fehleinschätzung mit einem höheren Ausfallrisiko verbunden.

Fazit

Die neuen Technologien, deren Spezialitäten und eine gesunde Wachstumsrate auf einem innovativen Markt sind eine ideale Zusammensetzung für unternehmerischen Erfolg. FuE-KMU sind im Wachsen und verfügen über akademisch geformte Produkte/Verfahren. Ihr Kapitalbedarf liegt durch den starken FuE-Anteil oft in Millionenhöhe, der zu decken ist. Aber wie es auch heißt, nie war es einfacher in Deutschland Risikokapital zu erhalten.

 

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