Die Nachbarschafts-App – Ein soziales Netzwerk für Deine Umgebung

Wem Facebook, Twitter & Co. einfach zu global sind, sollte sich mal die Nachbarschafts-App anschauen. Hierbei kann man über eine Umkreissuche nicht nur die Nachbarschaft erkunden, sondern auch gemeinsame Aktivitäten planen. Doch das ist längst nicht alles. Ich habe mit dem Gründer Christoph Straube über sein Startup gesprochen:

Christoph, erzähl uns bitte kurz von Dir und Deinem Startup

Mein Name ist Christoph Straube, ich bin 30 Jahre alt und habe bis vor kurzem noch Immobilienprojekte betreut. Im Oktober 2014 kam mir die Idee, gemeinsam mit einem befreundeten Programmierer eine App zu entwickeln. Das Startup Nachbarschaft.net bringt als soziales Netzwerk die Menschen in der Nachbarschaft zusammen und soll so auch der Anonymität der Großstadt entgegenwirken. Die App hilft dabei, Nachbarn mit gleichen oder ähnlichen Interessen zu finden. Den Nutzern werden dabei anders als bei Facebook nur Personen in einem Umkreis von 2,5 Kilometern angezeigt. Man tritt also nur mit seinen tatsächlichen Nachbarn in Kontakt und kann über die App beispielsweise nach einem geeigneten Kinderarzt in der Nähe oder nach einem Jogging-Partner suchen. Über die Matching-Funktion der Software haben sich in ganz Deutschland schon viele Gruppen gebildet. In Frankfurt und Düsseldorf können die Nachbarn darüber hinaus schon exklusive Vorteile in der Nachbarschaft nutzen. Hier bieten beispielsweise ortsansässige Handwerker oder lokale Geschäfte Rabatte an. Am Anfang war das Startup nur ein Hobby und als wir im März dieses Jahres online gegangen sind, wussten wir gar nicht, was genau auf uns zukommt. Mittlerweile haben wir schon über 20.000 User – Tendenz steigend – und es macht großen Spaß neue Ideen zu entwickeln und mit den Nachbarn zusammen zu arbeiten.

Eine Nachbarschafts-App klingt interessant, doch steht und fällt das Ganze mit den Mitgliedern. Wie wahrscheinlich ist es, dass man einen Nachbar mit der App entdeckt? Habt Ihr eine besondere Strategie für das Marketing?

Je nachdem in welcher Stadt man lebt, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass man Nutzer von Nachbarschaft.net entdeckt. Besonders in den deutschen Großstädten sind wir mittlerweile ziemlich gut vertreten, auch wenn wir die exklusiven Vorteile bisher nur in Frankfurt und Düsseldorf anbieten. Durch gezieltes Guerilla-Marketing, Facebook- und You-Tube-Aktionen konzentrieren wir uns Woche für Woche auf andere Städte, immer mit dem Ziel, weitere Nachbarschaften zu erschließen. Wir veranstalten in den einzelnen Stadtteilen Nachbarschafts-Events und laden die ganze Nachbarschaft zum Beispiel zum Eis ein. So können uns die Nachbarn kennenlernen und am Ende des Tages weiß jeder, wie die App und Webseite funktionieren und welche Vorteile die Nutzer haben.

Die Homepage offenbart eine kostenlose Registrierung. Wie finanziert Ihr euch?

Das ist richtig, die Webseite sowie die App sind kostenlos und werden das in Zukunft auch bleiben. Aktuell finanzieren wir uns mit Eigenkapital und über die erwähnten Nachbarschafts-Vorteile in der App. Wenn ein Handwerker oder ein Restaurant seinen Nachbarn Vorteile anbieten möchte, dann ist das für die Unternehmen kostenpflichtig. Anders als beispielsweise bei Groupon müssen die User dafür nicht bezahlen und sie entscheiden selbst, ob sie einen Vorteil nutzen möchten oder nicht. Sie werden in der App nicht mit Werbung bombardiert, sondern können bei Bedarf in der Rubrik „Vorteile“ nachsehen, ob ein für sie geeigneter Rabatt für ein Unternehmen oder eine Bar in der Nachbarschaft dabei ist – das ist ein entscheidender Unterschied.

Was kann mir die App noch liefern, außer den Kontakt zu meinen Nachbarn?

Die App hat eine Vielzahl an Funktionen: Du kannst Events für deine gesamte Nachbarschaft oder nur für ausgewählte Nachbarn erstellen – zum Beispiel um einen Flohmarkt oder ein Straßenfest zu veranstalten. Über die Pinnwand kannst du Hilfe in der Nachbarschaft suchen, beispielsweise wenn du etwas verloren hast oder etwas ausleihen möchtest. Des Weiteren werden nach und nach weitere Vorteile in den Nachbarschaften zu finden sein. Diese Vergünstigungen oder Rabatte kann der User bei Unternehmen in der Nachbarschaft in Anspruch nehmen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen.

Wie ist das mit der Privatsphäre? Ist alles was man macht öffentlich? Was passiert, wenn ich mich doch nicht mit einem Nachbar verstehe?

Jeder Nutzer kann frei entscheiden, was er öffentlich macht und was er lieber nicht nach außen geben will. In der App selbst wird jeder Nutzer nur per Vorname angezeigt und kann bei Bedarf den genauen Ort seines Zuhauses verschleiern. Darüber hinaus bleibt alles in der Nachbarschaft; es werden keine Informationen beispielsweise an Google oder Facebook weitergegeben. Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Und solltest du dich mit einem Nachbarn nicht verstehen, kannst du ihn natürlich blocken oder bei regelwidrigem Verhalten sogar melden, ähnlich wie bei Facebook.

Du kommst aus Bad Soden am Taunus – das liegt bei Frankfurt. Ist die Nähe zu einer Großstadt für derart App wichtig?

Nein überhaupt nicht, die App funktioniert überall! Ich selber habe mein Büro in Bad Soden und bin auch dort geboren, wohne jedoch in Frankfurt. Also bin ich auch in Frankfurt in meiner Nachbarschaft angemeldet. Die App macht aber auch in kleineren Ortschaften Sinn. Es gibt in Deutschland viele kleinere Dörfer die genau den Radius einer Nachbarschaft von 2,5 Kilometern haben. Dort kann man die Software als Dorf-App verwenden, beispielsweise um Events im Ort zu organisieren oder sich über bestimmte Termine zu informieren.

Was war das Schwierigste bei der Gründung von Nachbarschaft.net? Was würdest Du heute anders machen?

Wir wollten ein soziales Netzwerk entwickeln, das sich von allen anderen abhebt. Und das war nicht einfach. Wir sind aber der Meinung, dass wir eine App entwickelt haben, die einen Mehrwert bietet, die jeder gebrauchen kann und die dadurch auch eine breite Zielgruppe anspricht. Über unsere Webseite kann sich beispielsweise auch älteres Publikum mit den Nachbarn verbinden, auch wenn sie kein Smartphone nutzen. Seit der Gründung haben wir natürlich viel im technischen Bereich gearbeitet und die App Schritt für Schritt weiter verbessert, was ein langwieriger und intensiver Prozess ist. Doch das gehört bei der Entwicklung einer neuen Idee dazu. Es gibt natürlich immer einige Kleinigkeiten, die man anders oder besser hätte machen können, aber generell sind wir mit unserem Produkt und den getroffenen Entscheidungen sehr zufrieden.


Danke Christoph für das interessante Gespräch. Die Nachbarschafts-App steht im Google Play Store und im App Store für iTunes zu Download bereit. Eine gute Möglichkeit die Nachbarschaft näher kennenzulernen.

 

Lukas Herbst

Lukas Herbst ist 37 Jahre alt, Produktmanager bei Gemalto und Gründer der Online-Plattform StartupBrett. Nach Kosmos-Kasten, C64, Schule und Studium, folgten erste Erfahrungen als Freelancer, eine Festanstellung, 2 Kinder und 2 Start-ups.

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