Vom Start-Up zum Scale-Up – im Gespräch mit Diginet Gründer Daniel Attallah

6 Fragen an Daniel Attallah, Gründer und Geschäftsführer der Diginet GmbH (Pixum & artboxONE)

Daniel Attallah ist Gründer und Geschäftsführer der Diginet GmbH & Co. KG, zu der Pixum und artboxONE gehören. Als Vorsitzender der Geschäftsführung verantwortet er die Bereiche Internationales Marketing, Business Development, Finanzen und Personal. Im Jahr 2000 gründete Daniel das Unternehmen – damals noch Pixum AG – und baute es in den Folgejahren zu einem der führenden Online-Fotoservices in Europa auf. Zuvor arbeitete er als Director Sales bei Bay-Networks/Nortel Networks und war Vice President European Sales & Marketing bei Enterprise Communications.

1.  Die Diginet GmbH, zu der Pixum und artboxONE gehören, wurde als “Great Place to Work 2018” ausgezeichnet. Was macht Ihr Unternehmen zu einem Great Place to Work?

Reduziert auf eine Vokabel ist das: “Unternehmenskultur”. Eine Kultur hat ja jedes Unternehmen, denn Kultur ist die Summe des Handelns der beteiligten Personen. Und wenn diese Kultur die Zustimmung der meisten beteiligten Personen findet, dann erreicht man einen “Great Place To Work”. Klingt einfach, doch die Herausforderungen sind, wie man Leistungsbereitschaft, Profitabilität, Effizienz und Effektivität am Arbeitsplatz so kombiniert, dass der Job Spaß macht. Eine stabile und gute Unternehmenskultur muss authentisch, aktuell und transparent sein und muss auch aktiv und von allen gelebt werden. Das Fundament der Unternehmenskultur bei Diginet / Pixum wurde durch die Gründer gelegt und dann mit dem immer größer werdenden Team weiterentwickelt. Dabei sind Respekt, Offenheit, Transparenz, unternehmerisches Denken und Handeln, Erfolgswillen, Partizipation und Spaß an den Erfolgen die wichtigsten Werte und Bausteine. 

Neben diesen Werten, über die ich hier zu jeder Vokabel eine ganze Seite erzählen könnte, gehören auch “Benefits” zu einer modernen Unternehmensumgebung. Wir bieten eine Vielzahl von Annehmlichkeiten, angefangen von themenspezifischen Gesundheitstagen, einem Employee-Assistance-Program (kurz EAP, Mitarbeiter können sich bei beruflichen und privaten Problemen von externen, qualifizierten Experten beraten lassen), Business-Bikes, die man leasen kann, kostenlosen Pixum Firmenfahrräder für die Mittagspausen, bis hin zu Massagen in der stressigsten Zeit vor Weihnachten. Auch für das leibliche Wohl gibt es zB. ein morgendliches Frühstück, frisches Obst, Siebträger- Espressomaschinen, Cappuccino, Wasserspender, Softdrinks und eine Grill-Station. Und besonders beliebt sind selbstverständlich unsere beiden großen Company-Events: Das Pixum Sommerfest und die Pixum Weihnachtsfeier. 

Last but not least gehört auch das Bürokonzept zu einem “Great Place to Work”. Ähnlich wie bei den “Vorzeigeunternehmen” aus dem Silicon Valley ist die Innenarchitektur bei Pixum & artboxONE großzügig und sehr modern. Open Space mit vielen Rückzugsmöglichkeiten in kleine Konferenzräume oder High-Benches und Sofas prägen das Bürobild. Vernetzung und Konzentration muss möglich sein, denn beides ist für ständige Innovation nötig. Neben der bereits ausführlich beschriebenen Diginet Kultur gehören auch moderne Arbeitsmethoden wie agiles Projektmanagement durch SCRUM oder Kanban dazu. Außerdem ist uns eine offene und ehrlich gelebte Partizipation bei Entscheidungen und Veränderungen wichtig. Flache Hierarchien, ein vertrauensvoller Umgang miteinander, sowie Freiraum für eigene Entscheidungen und die Mitgestaltungsmöglichkeiten runden das Konzept ab.

2.  Was waren Ihre größten Herausforderungen auf dem Gründungsweg?

Die größten Herausforderungen ergeben sich in den verschiedenen Phasen des Unternehmens und sind ganz unterschiedlich. Zu Beginn war es, die richtigen Mitstreiter zu finden und das erste Kapital zu organisieren. In der Phase des raschen Wachstums war es, Prozesse zu definieren, die sich skalieren lassen. Ab 50-70 Mitarbeitern beginnt man Management-Strukturen zu etablieren und man muss darauf achten, dass der “StartUp Spirit” nicht verloren geht. Jeff Bezos, der CEO von Amazon, bezeichnet das als “Day One Attitude”, was ich ganz treffend finde.

Ein StartUp in der digitalen Welt wird – falls es wächst – zu einem ScaleUp oder auch StartOver, was bedeutet, dass man die Agilität und den Pragmatismus eines kleinen StartUps mit der Notwendigkeit der Erneuerung und Veränderung kombinieren muss. Das bedeutet: Gleichzeitig innovieren und renovieren, gleichzeitig effizient und flexibel sein, gleichzeitig neue Wege gehen und parallel die bereits gefundenen Pfade zu Autobahnen ausbauen. Und natürlich gehört zu jeder Zeit auch die Anpassung an Marktgegebenheiten dazu. Märkte verändern sich. Dies muss man antizipieren und rasch darauf reagieren, um erfolgreich zu bleiben. Nur so haben wir es geschafft, alle 68 Quartale die es Pixum jetzt gibt, ein Year-Over-Year-Wachstum zu verzeichnen.

3.  Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Rolle eines CEOs?

Mit einem Augenzwinkern sage ich immer, dass es die wichtigste Aufgabe eines CEO’s ist, unzufrieden zu sein. (schmunzelt) Damit meine ich nicht schlecht gelaunt und destruktiv, sondern vorausschauend und fordernd. Wenn man als CEO die Füße hochlegt und sagt: “läuft doch alles prima” ist man nur kurz von Stagnation entfernt und das Unternehmen wird daraufhin unweigerlich schrumpfen und in letzter Konsequenz sterben. Ein CEO in einem modernen Unternehmen muss moderieren, dafür sorgen, dass eine Unternehmenskultur entsteht, die attraktiv ist für gute Leute und diese Talente auch dort einsetzen, wo ihr Talent ist. Ein guter CEO weiß, wann er noch mehr fordern oder auch mal den Druck rausnehmen muss. Ein guter CEO denkt an die Zukunft ohne die Gegenwart zu vernachlässigen und ist “beidhändig” gut in der Stabilisierung der Cashcows und dem parallelen Aufbau von neuen Geschäftsfeldern.

4.  Was ist Ihr persönliches Erfolgsgeheimnis als Gründer bzw. Ihre persönliche Lektion, die sie über die Jahre gelernt haben?

Erfolgswillen und Resilienz sind die Eigenschaften, die auch zu Erfolg führen als Gründer, doch schlussendlich ist eine gesunde, moderne Unternehmenskultur der Garant für langfristigen Erfolg des gesamten Unternehmens. Ich nenne das “Sustainable Entrepreneurship” und bin kein Fan von der im “Berlin Valley” oft anzutreffenden  Attitüde “Gründen / Wachsen / Verkaufen /Abhauen”. Dadurch entstehen nur selten nachhaltige Unternehmen. Eine weitere wichtige Lektion ist: “stell nur gute Leute ein, die zur Unternehmenskultur passen” kombiniert mit “If you offer peanuts, you get monkeys”.

5.  Wie wird aus einem Start-Up ein Scale Up und wo sehen Sie Pixum und artboxONE in 5 Jahren?

Wieder die Stichworte “Sustainable Entrepreneurship” und Unternehmenskultur, ergänzt durch agile Organisationsformen und die Fähigkeit zum Wandel. Ein ScaleUp skaliert gute, funktionierende Geschäftsprozesse und arbeitet daran, diese an die wachsenden Bedingungen anzupassen. Das bedeutet aber auch, dass man zunächst gute, funktionierende Prozesse erarbeiten muss. Denn wenn man einen “Shitty-Process” skaliert, hat man danach einen “BIG Shitty Process” und daran scheitern oft StartUps, die zu ScaleUps werden müssen. Mit Größe ergeben sich neue Herausforderungen, die dann auch größere Schäden anrichten, wenn man sie nicht löst. 

In 5 Jahren sind wir weitere 20 Quartale Year-Over-Year gewachsen, so wie auch schon die vergangenen 68 Quartale in Folge. In 5 Jahren wird Diginet neben Pixum und artboxONE 1-2 weitere Geschäftsbereiche haben, über 200 Menschen hier in Köln und mehr als 400 Menschen in unseren Produktionsstandorten einen sicheren Arbeitsplatz bieten, weit über 100 Mio. € Umsatz machen und dabei auch weiterhin und nachhaltig profitabel sein. In 5 Jahren wird der Großteil unseres Umsatzes durch mobile Endgeräte generiert und Machine-Learning und AI-Komponenten sind alltägliche Algorithmen in allen Arbeitsbereichen.

6.  Welchen Tipp würden Sie Gründern von Start-ups mit auf den Weg geben? 

Wenn ich darf, gebe ich hier nicht nur einen Tipp sondern meine “Founders 8”:

  1. Leidenschaft ist die Grundlage für Unternehmertum. Liebe Deine Idee, wenn nicht du, wer sonst…
  2. Think Big, Start Small: Beginne im Kleinen aber die Vision muss groß sein. Investoren mögen nur große Unternehmen.
  3. Erfolg = Qualität x Geschwindigkeit^2: Ideen müssen schnell umgesetzt und ausprobiert werden. Geschwindigkeit ist wichtiger als Qualität, aber Qualität muss ein Mindestmaß haben.
  4. Build <> Measure <> Learn : Daten und deren Analyse sind die Grundlage des Erfolges moderner Unternehmen. Machine-Learning und AI brauchen Daten. Also Daten sammeln, strukturieren und auswerten – von Beginn an.
  5. Spend Smart: Geld ausgeben geht schneller als Geld verdienen also vorausschauend mit den Mitteln umgehen, denn ohne Geld kein StartUp mehr…
  6. Machen, nicht versuchen: Im Versuch steckt die Bereitschaft zum Scheitern. Deshalb einfach machen. Schon Yoda sagte: “Do or do not, there is no try”
  7. Hire Smart: Great People create great things, bad People create bad things. Eine richtig gute Mitarbeiterin ist besser als 5 mittelmäßige Kerle. Gilt natürlich für alle Gender-Kombinationen…
  8. Have some fun and accept failure: Fehler und Rückschläge sind unvermeidbar. Nicht aufgeben, Problem lösen, dann ein Kölsch trinken und lachen.

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