Kundenservice als Cupcake mit Kirsche

Kundenservice als Cupcake mit Kirsche

In den letzten sieben Tagen hatte ich unverhoffte Begegnungen mit dem Thema Kundenservice. Meine Feststellung: Ich wusste gar nicht, dass ich der amerikanischen Gebrauchtwagenhändler-Begeisterung etwas abgewinnen kann. Die Autohändler verzeihen mir diese Bezeichnung, aber ich denke, jeder hat damit ein Bild vor Augen. Alternativ stellt man sich das Produkt/die Dienstleistung eben als Cupcake vor, der erst durch das Frosting so richtig interessant wird.

Frosting: Initiative plus ein dicker Klecks Kundenservice

Ich irrte auf der Website eines amerikanischen Mobilfunkanbieters herum und suchte nach einer Prepaid-Karte für die USA. Wie bei einigen Websites üblich, wurde mir rechts unten ein Button angezeigt, über den ich mit dem Kundensupport Kontakt aufnehmen kann. Aber natürlich versucht man erst mal selbst fündig zu werden. Keine Ahnung, ob die Website ein Monitoring hatte, das planlose Nutzer erkennt. Jedenfalls hat eine Support-Mitarbeiterin Mitleid gehabt: „Hi, my name is Elizabeth. Who can I help you?“. Ich hab natürlich nur kurz getextet, was ich suche. “May I ask who I have the pleasure to chat with?” Oh, ach so, mein Name. “I’d be glad to help you. Just a moment, I’ll check our plans to find the best xxx for you.”

Die Kirsche: Freundlichkeit zum  Steine erweichen

Es dauerte nicht lange und meine Fragen waren zufriedenstellend beantwortet und der Preis stimmte. Alles erledigt, vielen Dank, tschüss. „Have a fabulous day!“, wünscht mir Elizabeth zum Abschied. Es ist wirklich nicht so als ob das meine erste Begegnung mit dem american way to sell something gewesen wäre. Oder dass die Frage „How are you?“ immer ernst gemeint und wir hierzulande allesamt Servicemuffel wären. Da ich aus dem süddeutschen Raum komme, ist mir persönlich ein überdurchschnittliches Maß an Überschwang eher fremd. Begeisterungsfähigkeit: ja; Engagement: ja; Fleiß und Feuer: ja. Aber halt nicht so rüschig und „fabulous“.

Liebe Artgenossen, die ihr eure Begeisterung auch eher geprüft und dosiert nach außen tragt: Lasst uns mal richtig verschwenderisch damit sein! Nur mal so als Feldversuch. Denn irrwitzigerweise freue ich mich ein bisschen darauf, im Telefonshop so eine Karte zu kaufen – bei Elizabeth, Brian, Jordan, Lisa oder einem anderen fantastischen Mitarbeiter.

Sara Geissler

Als Online-Redakteurin schreibt, filmt, fotografiert und zeichnet sie Beiträge zu den Schwerpunkten Existenzgründung, Lokales, Content Marketing und zu Bildungsthemen: redaktion-saarbruecken.com


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