Wie lange hören wir noch klassische Radiowerbung?

Radiowerbung einfach anders mit audioGAZ

Wenn Werbung mit der Zeit geht, kann sie wieder interessanter werden

Ich höre gerne Radio. Wirklich. Nennt mich antiquiert, aber genauso wie bei mir den ganzen Tag lang im Büro Spotify läuft, läuft im Auto eben Radio – ganz normal, oder? Manche Dinge ändern sich eben nie. Das hat jetzt gute und schlechte Seiten. Fangen wir mit der Guten an: Radio ist immer noch (!) das Begleitmedium Nummer 1. Mehr als 4h pro Tag hört Max Mustermann Radio, meist noch per UKW, wie auch schon vor 50 Jahren. Radiowerbung ist mal besser, mal schlechter, aber auf jeden Fall ist sie kostspielig. Nicht so kostspielig wie TV-Werbung, aber dennoch nicht gerade billig. Große Unternehmen lassen sich nationale Radiokampagnen gerne mal 6-stellige Beträge kosten. Das ist heute nicht anders als vor 20 Jahren. Womit wir auch schon beim Schlechten wären.

Was hat sich seitdem an Radiowerbung verändert?

Hören wir nicht immer noch nur einfache Werbeaussagen, mal besser, mal schlechter verpackt, mit unterschiedlicher Hintergrundmusik oder, teils zu fragwürdiger Bekanntheit gelangter, Dialekte („Seite*****er Müsli! Müsli von Seite*****er!“)?

Sind wir wirklich so einfach zu beeinflussen? „Spiel dem Hörer einfach immer wieder dasselbe vor, und irgendwann wird er es mögen – klappt ja bei Musik auch.“ Ist im Kaufprozess tatsächlich eine Kausalität zu erkennen, der Art: Hören – Entscheiden – Kaufen? Und was passiert, wenn ich den MEDIAMARKT Werbespot höre, und dann aber doch bei Amazon bestelle? Bricht dann das Universum auseinander, bekommt das überhaupt irgendwer bei Mediamarkt mit?

Mir persönlich ist das alles zu einfach. Zu simpel, zu durchschaubar, zu wenig durchdacht, und vor allem: Zu wenig fortschrittlich. Seit Jahren tragen wir immer leistungsfähigere Computer mit uns herum, smart gewordene Telefone. Das Auto ist smart, mein Telefon ist es, und wenn es nach den großen Konzernen geht bald auch meine Armbanduhr. Und wie nutzt die Werbeindustrie dies für interessante, neue Formate? Richtig: Gar nicht. Banner und Popups auf (mobilen) Internetseiten, bei denen mir als User sofort die Galle geht, weil ich nur endlich den Content sehen will, empfinde ich persönlich als wenig fortschrittlich. Aber wie gesagt: Nennt mich antiquiert.

Wieso macht niemand etwas mit Sound? Ich kann doch heute schon mit meinem Smartphone sprechen, und es versteht was ich will. Klar, es gibt Shazam. Nicht selten hat mir diese kleine App schon geholfen, dieses eine Lied, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht, zu identifizieren. Dass ich den Song im Anschluss gleich bei iTunes kaufen kann – not bad.

Dennoch ist mir das noch zu kurz gedacht: Die technischen Möglichkeiten geben viel mehr her. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, Werbung könnte dadurch wieder interessant werden. Ihr wollt ein Beispiel? Dann stellt euch doch dasselbe für Radiowerbung vor. Ihr hört den Spot für ein paar Laufschuhe. Vielleicht wolltet ihr tatsächlich welche kaufen, hattet aber noch nicht die Muße euch schlau zu machen und ins Geschäft zu gehen. Schaltet doch einfach euer Smartphone an während der Spot läuft und ihr seht den beworbenen Schuh direkt in 3D, könnt euch Farben aussuchen und direkt in eurer Größe bestellen. Das sind Mehrwerte, die mir als Nutzer wirklich etwas bringen, denn es spart mir Zeit. So ist der Werbespot nicht nur einfach eine Aneinanderreihung von Wörtern mit Hintergrundmusik, sondern ein echter Timesaver mit Mehrwert für mich. Damit davon nicht nur große Versandhändler wie amazon profitieren, kommt der Schuh direkt vom nächstgelegenen lokalen Händler zu dir nach Hause (GPS sei Dank). Geht ja alles. So profitiert auch der kleine Händler von nebenan von der großen Reichweite von Radio und dem Einkaufen im Internet. Und dafür braucht er nicht mal einen eigenen Online-Shop.

Ein weiteres Beispiel: Im Radio wird die neue Platte deiner Lieblingsband beworben, und die dazugehörige Tour. Wieso startest du nicht dein Smartphone und du kannst nicht nur die Platte kaufen, sondern dein Smartphone zeigt dir gleich das nächste Konzert in deiner Nähe (abhängig von deinem Standort) an, und du kannst direkt Tickets dafür kaufen? Die bekommst du natürlich sofort auf dein Handy geschickt. Kein langes Raussuchen von Tourdaten, alles einfach, schnell und sofort. Ist alles heute schon möglich.

Wir leben doch in einer immer mehr vernetzten Welt, wieso sind dann solch nützliche Dinge noch nicht möglich? Das Ganze nützt nicht nur mir als Hörer, sondern auch dem Händler. Was will LIDL denn, wenn ich jeden Freitag vom Supersamstag höre? Richtig: Dass ich Samstag zu LIDL gehe. Wieso bekomme ich dann nicht einen Anreiz, z.B. in Form eines kleinen Einkaufsgutscheins, den ich sofort aufs Handy bekomme, wenn ich den Spot höre? Dann habe ich einen eindeutigen Anreiz.

Nicht warten, dass andere es machen – selber machen

Und weil mir und meinem Team (Adrian, der App Gott, Addo der Webprofi und Uli der Mentor) dazu noch jede Menge anderer Ideen eingefallen ist, sind wir hergegangen und haben es einfach gemacht. Zugegeben, das hat uns fast ein Jahr gekostet, das mit der Sounderkennung verlässlich hinzubekommen, aber jetzt funktioniert es und wir haben Apps wie audioGAZ, die das können für iOS und Android, Windows Phone folgt bald. Bei einem ersten Piloten mit einem befreundeten Radiosender haben wir einen richtigen Hammer ausgepackt: Wir wollten erreichen, dass die Hörer aufmerksamer auf die Werbung achten, und nicht wegschalten. Das haben wir damit erreicht, dass wir jedem, der den Werbeblock mit unserer App aufgenommen hat, 1 Euro geschenkt haben. Ab 10 Euro haben wir einen Gutschein verschickt. Über das Ergebnis muss man nicht lange nachdenken: Die Hörer rannten uns die Bude ein. In nur 15 Tagen haben wir über 1.500 solcher 10€ Gutscheine verschickt, und damit gehen die Hörer jetzt bei (natürlich vorausgewählten) Händlern einkaufen – die Händler sollen ja auch profitieren. Wären die Hörer auch ohne den Gutschein dort einkaufen gegangen? Vielleicht. Aber jetzt tun sie es messbar. Konnte der Werbetreibende vorher wissen, ob Kunden NUR aufgrund seines Radiospots zu ihm gekommen sind? Eher nicht.

Wir sind keine Datenkrake und auch nicht die NSA. Unsere App nimmt nicht dauernd auf, was sie hört und sammelt auch keine Daten die wir nicht benötigen. Dennoch: Wir wissen, wie viele Hörer teilgenommen haben, ob sie ein Android Gerät besitzen oder ein iPhone, und wir haben deren Emailadresse samt Geolocation von dem Moment, als sie den Spot aufgenommen haben. Für Händler sind das spannende Infos. So können sie nämlich sehen, wo im Sendegebiet ihre Spots gehört wurden, und wie groß die Reichweite des Radiosenders tatsächlich ist (und ob er sein Geld wert ist). Das ist, was zählt.

German Angst oder: Der Prophet im eigenen Land

Die Ideen waren also da, die Apps entwickelt, und der erste Pilot erfolgreich. Was passierte als Nächstes? Dutzende Gespräche mit Radio- und TV-Sendern, Werbetreibenden, Agenturen und Werbezeitenvermarktern. Und da lernten wir, was „German Angst“ bedeutet, und wieso dieser Ausdruck selbst in den USA bekannt ist: Wie beim Prophet im eigenen Land herrscht erstmal große Skepsis. Wer nutzt die Technologie schon, wie viele Millionen Downloads haben wir, und funktioniert das überhaupt? Ja, es funktioniert und Nein, wir haben noch keine Million Downloads. Aber die werden kommen, das wissen wir. Und es gibt sie noch, mutige Radiomacher und innovative Werber. Zwischenzeitlich wurden wir auch für mehrere Awards nominiert und einige der „Großen“ sind auf unsere Idee aufgesprungen: Ganz schlecht kann unsere Idee also nicht sein. In diesem Sinne: Wann werdet ihr Teil der audioGAZ-Bewegung? Es bleibt auf jeden Fall spannend, und es wird bald „mehr“ für euch alle zu hören geben – freut euch drauf!

Marcus Ernst

Marcus Ernst

Marcus Ernst ist 27 Jahre alt, hat IMM (Irgendwas Mit Medien) studiert, Father of no kids (yet), hat dafür aber einen Hund aus dem Tierheim. Die Idee zu audioGAZ und sichtbarem Radio kam ihm zusammen mit Adrian Ziser und Addo Twum-Boafo, unterstützt wurden und werden sie tatkräftig von Ulrich Kipper.

  • Eine interessante Idee. Damit steigt die Chance, dass Marketing per Radio messbar wird. Gleichzeitig steigt die Chance für eine stärkere Kundenbeziehung zwischen Radiosender, Händler und Konsument.

    Alles Gute für diese Idee wüschen ich

    Ralph

  • geil, lad ich mir, bin gespannt ob und wies schon funkt, hier natürlich das henne ei problem sehr groß aber wenn erstmal die ersten überzeugt hat das potenzial


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