Die Unternehmensgründung: vom Durchhalten und Dranbleiben

Die Unternehmensgründung: vom Durchhalten und Dranbleiben - StartupBrett

Gründen heißt kämpfen. Allzu oft scheitert ein Start-up nicht an einer schlechten Idee, sondern an der Tatsache, dass dem Team in der Gründungsphase die Luft ausgeht. Erfolg hat, wer nicht aufgibt.

Manchmal erscheint eine Woche im Rückblick wie eine einzige Success Story: Alles lief nach Plan – oder sogar noch besser. Man schwebt auf Wolke sieben. Egal, was man angegangen ist: Es hat sich auf magische Art und Weise in Erfolg verwandelt. Doch auch nach diesen außergewöhnlichen Wochen wird es in der Regel wieder ruhiger. Und manchmal funktioniert dann alles, was zuvor wunderbar geklappt hat, auf einmal nicht mehr. Es gibt keine Erklärung dafür; es ist einfach so.

Das Unternehmertum besteht aus diesen Höhen und Tiefen. Höhen, das sind die Momente, an denen man gerne Unternehmer ist. Man bekommt Aufmerksamkeit, die Geschäfte laufen gut, und die selbst gesteckten Ziele scheinen zum Greifen nah. So schön diese Phase auch ist: Oftmals folgt darauf eine Zeit, die weniger rosig erscheint oder im Extremfall sogar katastrophale Züge annehmen kann. Mit dieser unangenehmen Phase möchte ich mich heute beschäftigen.

Die Zeit des Nachdenkens

In einer Phase, die schwierig oder weniger erfolgreich ist, plagen Gründer viele Gedanken. Zum einen ist es sicherlich die Angst vorm Scheitern, die sie umtreibt. Aber darum geht es mir heute nicht. Ich möchte Gründer ermutigen, diese kurzen oder langen Tief-Phasen zu überwinden – ein extrem wichtiger Prozess für das eigene Unternehmen.

Ist ein Tief erreicht, gibt es nur noch zwei Akteure: dein Unternehmen und dich. Du beginnst zu zweifeln. Du siehst die Gefahr, dass es an der Kraft fehlen könnte, weiterzumachen. Zugleich beschäftigst du dich aber auch viel mit deinen persönlichen Zielen und deinen Visionen. Diese Auseinandersetzung hat ein enormes Potential: Sie kann dich zurück auf den richtigen Weg bringen.

Aufgeben ist die letzte Option

Das Nachdenken über den weiteren Weg und der Fokus auf das eigene Business verlangen schlussendlich eine persönliche Entscheidung: für oder gegen die eigene Idee. In einer Welt, in der es immer leichter wird, etwas Neues zu starten, ist das keine einfache Wahl. Doch wer sich selbst dazu motivieren kann, eine Tiefphase aus eigener Kraft zu überstehen, der macht sich auch für zukünftige schwierige Situationen stärker.

Natürlich gibt es auch Situationen, die einem Gründer keine andere Wahl lassen, als einfach aufzuhören – oder sich von Teilen seiner Idee oder gar vom ganzen Unternehmen zu trennen. Aber hier gilt die gleiche Regel wie auch sonst im Leben: Aufgeben sollte man immer erst dann, wenn man alles andere versucht hat!

Die Belohnung

Hat man sein Tief überwunden, sich aufgerafft und das eigene Konzept der aktuellen Situation angepasst, so wird man meist für die eigene Stärke belohnt. Wer Glück hat, gelangt von hier aus sogar wieder direkt in eine Hochphase, in der alles gelingen kann. Nicht umsonst heißt es, dass Krisen große Chancen bergen: Vielleicht findet man im Zweifel genau das Puzzlestück, das für den persönlichen Erfolg und den Durchbruch des Unternehmens bisher gefehlt hat!

 

“Das Beginnen wird nicht belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.”

Katharina von Siena (1347 – 1380)

 

Lukas Herbst

Lukas Herbst

Lukas Herbst ist 37 Jahre alt, Produktmanager bei Gemalto und Gründer der Online-Plattform StartupBrett. Nach Kosmos-Kasten, C64, Schule und Studium, folgten erste Erfahrungen als Freelancer, eine Festanstellung, 2 Kinder und 2 Start-ups.

  • Dirk-D. Hansmann

    Klar, start-up klingt klasse und hipp. Damit verbunden ist oft der Glaube, dass das alles mit ‚dem Normalen‘ nix mehr zu tun hat. Irrtum. Vertrauen zu Kunden, Investoren, Mitarbeitern sind wichtig. Einnahmen eben so, wie zu Zeiten der Fugger im Mittelalter.

    Manche Rahmenbedingungen ändern sich. Ist so. Aber der Hinweis auf das Wechselbad der Gefühle von Lukas Herbst ist so. Das war immer so.

    Fast 100% aller Gründungen basieren auf einem riesigen Irrtumspaket: Ich kann das. Alle brauchen mich. Und was die anderen machen, da bin ich besser.

    Würde ich in Berlin wohnen, ich würde einen Außenaufzug haben wollen. Wenigstens die Einkäufe nicht durch das Treppenhaus schleppen. Eine vielleicht auch für viele andere coole Idee. Aber viele von Euch haben schon gemerkt: Bevor die Leute begriffen haben, dass etwas tatsächlich ein Problem löst, da erzählen die lieber, es sei schon immer ohne gegangen.

    Das ist gar keine Frage der Zielgruppe. Bei den Kleinsten findet Ihr das und auch bei den Ältesten und dazwischen sowieso. Nichts ist schwerer als von anderen Geld zu bekommen. Nur deshalb die oben beschriebenen Frust-Rationen.

    Total gern versucht man auch gar nicht erst zu analysieren, was da gerade die Woche so geil gemacht hat. Meistens waren es dann doch eher die Kontakte, die selber Geld mit einem verdienen wollen. Und dann ist der aller beste Fall – Man hat einen Vertriebler gefunden oder ist irgendwo gelistet worden.

    Lass Euch nicht entmutigen. Auch die von Euch mit einem Studium auf eine Idee gekommen sind. Das Leben habt Ihr im Studium noch nicht gelernt. Aber ein paar Arbeitsmittel um es für Euch durchschaubarer zu machen. Das ist nicht viel. Aber nichts sieht noch schlimmer aus.

    „Aufgeben ist die letzte Option“ – Nun ja. Kommt auf den Anlass an. Es kommt auf die Beliebigkeit Eurer Geschäftsidee an. Die Reife des Marktes für ein Produkt. Als Bell das Telefon als zweiter erfand, welcher Kunde hätte da jemanden gehabt zum Anrufen?

    Richtig komplett neu ist darum gar nicht immer so der Bringer. Dann geht es um Strategien, die einen Markt erschaffen. Denkt immer daran: Wo ist der Markt? Da treffen sich Angebot und Nachfrage. Und Nachfrage kennen die Wiwis aus dem Studium. Dazu gehört nämlich erst einmal ein Bedürfnis – Das ist eigentlich das Verlangen ein Problem gelöst zu bekommen.

    Diese Problemlösung muss den Leuten auch tatsächlich im eigenen Geldbeutel ein Teil des verfügbaren Geldes einen Wert darstellen. Muss sich im Wettbewerb mit Essen, Miete, Kino und unendlichen Bedürfnissen durchsetzen.

    Dann sprechen wir überhaupt erst von einem Bedarf. Wir haben unseren Kunden noch nicht, er schwimmt mal gerade zum Produkt und sucht noch nach Verweigerungsstrategien und ob es ohne nicht doch besser war…

    Wie viele interessieren sich? Wie viele kaufen jetzt schon? Was kann man daraus für die Zukunft ableiten?

    Das ist ein wichtiger Punkt zu entscheiden – Aufgabe oder nicht.

    Es geht aber auch um Eure Zufriedenheit mit dem Produkt. Ist es das was Ihr wollt? 100% oder fehlt noch ein wichtiger Schritt um es einfach in euren Augen rund zu haben? Woran fehlt es? Technik? Design? Image? Was für Wege müssen noch gegangen werden? Ist Euer Ziel also realistisch? Könnt ihre einen guten Kompromiss zwischen einer Marktgängigkeit und Euren eigenen Ansprüchen schließen? Wenn nicht: Rennt weg, aber behaltet diesen ersten Start in der Hand. Vielleicht rennt morgen etwas über euren Weg und ihr habt die Rettung frei Haus.

    Aufgeben kann auch Luft holen sein. Für ein besseres Planen und umsetzen.

    Aufgeben ist unangesehn. Hinfallen auch. Aber hinfallen darf man – nur nicht liegen bleiben! Aber niemand sollte Unternehmer sein, weil das Fallen so geil ist. Nein. Das freie Laufen ist es.


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