So schlägt dein neues Produkt am Markt ein – ohne fertig zu sein

So schlägt dein neues Produkt am Markt ein – ohne fertig zu sein - StartupBrett

Als Entrepreneur hat man in der Regel mehr Geschäftsideen als man realistischerweise umsetzen kann – schließlich sind Zeit und Geld leider endlich. Darum ist es wichtig, dass man keine Ressourcen dafür verschwendet, Ideen zu verfolgen, die eigentlich von Anfang an keine Zukunft haben.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du schnell erkennst, ob eine Idee wirklich Potential hat und wie du die Erfolgswahrscheinlichkeit der Idee einfach erhöhen kannst.

Auch ich hatte in meinem Leben schon einige Ideen und habe auch einige umgesetzt – doch eigentlich sind alle bis auf eine Idee grandios gescheitert. Wir sollten uns also diese eine erfolgreiche Idee genauer anschauen, um zu verstehen warum gerade diese Idee sich in einem wettbewerbsintensiven Markt durchgesetzt hat.

Die Idee von der ich spreche ist der Space Wallet, ein innovativer, dünner Geldbeutel, den ich zusammen mit meinem Kumpel René seit Dezember 2013 erfolgreich verkaufe. Der Grundstein wurde jedoch schon deutlich früher gelegt. Wir entschieden uns schon Anfang 2013 dafür, dünne Geldbeutel in den deutschen Markt einzuführen, brauchten aber etwa ein Jahr um unsere Idee so anzupassen, dass wir damit wirklich erfolgreich werden konnten.

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4 verschiedene Space Wallet Modelle – Quelle: spacewallet.de

Während meines Studiums in Amerika stöberte ich durch Kickstarter und sah dort Geldbeutel, die komplett anders waren als die alten, langweiligen Ledergeldbeutel, die immer noch von einem Großteil der männlichen Bevölkerung genutzt werden. Dort gab es Geldbeutel, die quasi nur aus zwei Aluminiumplatten und einem Gummiband bestanden und kaum größer als eine Kreditkarte waren. Oder Geldbeutel, die durch mehrfaches umklappen einen lose eingelegten Geldschein sicher verstauten. Aber auch „normale“ Ledergeldbeutel die durch das hinzufügen von einigen cleveren Funktionen alles andere als langweilig und normal waren.

Ich war begeistert von den innovativen Möglichkeiten und war mir sicher, dass solche Geldbeutel auch in Deutschland erfolgreich sein könnten. Doch wie sollten wir die Idee am besten umsetzen?

Die erste Idee war es, all diese innovativen Geldbeutel zu importieren und einfach hier weiterzuverkaufen. Wir nahmen also Kontakt mit den Herstellern auf, hatten einige Telefongespräche mit ihnen und konnten so die Einkaufspreise erfahren. Gleichzeitig schauten wir auf Youtube Videos an, wo Geldbeutel getestet wurden und erfuhren so, welche Geldbeutel wirklich alltagstauglich sind und welche nur cool aussehen, aber im Alltag versagen.

Letztendlich kamen wir zum Entschluss, dass es sich nicht lohnen würde, Geldbeutel zu importieren. Die Kosten wären aufgrund von Zöllen, dem Versand und dem uns angebotenen Einkaufspreisen schlicht zu hoch. Insgesamt dauerte es einige Monate bis wir zu dieser Erkenntnis gelangten, aber die viele Zeit hat sich gelohnt.

Inspiriert von den amerikanischen Modellen kamen wir zu dem Entschluss, unseren eigenen Geldbeutel hier in Deutschland zu produzieren. Da unsere Anfangsinvestitionen aufgrund von Mindestabnahmemengen etc. recht hoch waren, mussten wir sicher sein, dass es in Deutschland wirklich Interesse für dünne Geldbeutel gibt.

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Space Wallte im Vergleich zum herkömmlichen Geldbeutel – Quelle: spacewallet.de

Wir importierten also einige amerikanische Modelle und begannen, sie auf Ebay und an Freunde zu verkaufen. Und siehe da, wir konnten tatsächlich alle 25 Geldbeutel innerhalb von kurzer Zeit verkaufen. Damit hatten wir also einfach bewiesen, dass es einen Markt gibt und dass sich Geld verdienen lässt.

Und ich denke, dass ist der wichtigste Punkt dieses Artikels.
Viele Gründer stecken sehr viel Energie in ein Produkt, von dem sie nicht wissen, ob es wirklich Nachfrage gibt. Dabei ist es meistens relativ einfach, die Nachfrage zu testen.

Ich höre oft von anderen Gründern, dass viele Leute deren Idee toll finden und sie sich sicher sind, dass es mehr als genug Nachfrage gibt. Leider ist das alles Blödsinn. Es kommt null darauf an, wie viele Leute eure Idee toll finden.

Das einzige was zählt ist, wie viele Leute euer Produkt tatsächlich kaufen! Um das heraus zu finden, müsst ihr also so schnell wie möglich testen, ob Leute bereit sind, echtes Geld in die Hand zu nehmen.

Die einfachste Möglichkeit, das zu testen, ist es, eine simple Homepage aufzusetzen. Stellt eure Idee ausführlich vor und tut so, als hättet ihr schon ein fertiges Produkt. Gebt den Leuten die Möglichkeit, direkt das Produkt zu kaufen, indem ihr einen Kaufbutton integriert.

Klickt jemand auf den Kaufbutton erscheint jedoch nur ein Popup mit der Aussage „Sorry, leider ist das Produkt noch nicht verfügbar. Hinterlasse deine E-Mail Adresse und wir benachrichtigen dich, sobald es wieder erhältlich ist.“

Super einfach. Nun besorgt ihr euch einfach Traffic für die Seite (postet in Foren, schaltet Facebook und Google Anzeigen etc.) und schaut wie viele Leute wirklich euer Produkt kaufen würden.

Analysiert das Verhalten, messt eure Conversion Rate und errechnet euren virtuellen Umsatz.

Was sagen euch die Zahlen? Lohnt es sich, die Idee weiter zu verfolgen? Lieben die Leute euer Produkt? Könnt ihr langfristig mit der Idee profitabel sein?

Klar, werden jetzt einige sagen „das ist zu einfach gedacht, meine Idee ist ganz anders, da geht es nicht“. Doch meiner Meinung ist das in der Regel nur eine Ausrede. Es gibt fast immer einen Weg, den Erfolg einer Idee mit minimalen Anfangsinvestitionen zu testen.

Und nochmal, nur weil ihr und vielleicht eure Freunde die Idee super finden, heißt es nicht, dass die Idee wirklich eine Chance hat, am Markt zu bestehen.

Jeder Euro und jede Minute die ihr investiert, um eine Idee ausführlich zu testen, wird euch mittelfristig das zehnfache sparen!

Habt ihr eure Idee so getestet und für würdig befunden, solltet ihr bei der Umsetzung die Lean Startup Prinzipien integrieren.

Momentan arbeite ich für einen Startup Akzelerator im Silicon Valley und ein Kernpunkt in unserem Programm ist die Vermittlung dieser Prinzipien an die teilnehmenden CEOs.
Letztendlich geht es hier vor allem darum, möglich schnell und günstig das Produkt im Markt zu testen und durch Feedback das Produkt zu verbessern.

Teste dein Produkt also so früh und so ausführlich wie möglich am Markt. Spreche mit deinen potentiellen Kunden, zeige Ihnen dein Produkt und frage, was sie davon halten. Wenn die Leute sagen, dass dein Produkt scheiße ist, dann solltest du das auch wirklich ernst nehmen.

Auch bei Space Wallet haben wir versucht, das Produkt durch frühes Kundenfeedback perfekt auf den Markt abzustimmen.

Ein wichtiger Punkt bei Geldbeuteln ist natürlich das Design. Wir hatten genug Kapital, um mit vier unterschiedlichen Designs an den Start zu gehen. Doch diese vier Designs mussten rocken.

Anstatt uns einfach zu überlegen, welche Farbkombinationen wohl am coolsten sind, haben wir über 30 verschiedene Designvarianten auf einige DIN A4 Blätter drucken lassen. Damit sind wir dann über mehrere Tag hinweg durch die Stadt und über den Campus gelaufen, haben den Menschen kurz unsere Idee erklärt und sie gefragt, welches Design ihnen am besten gefällt. Im Anschluss haben wir die besten acht Designs genommen und genau das Gleiche noch mal mit der kleineren Auswahl gemacht.

So haben wir sehr viele Stunden nur damit verbracht, durch einfache Umfragen unsere vier ersten Designs auszuwählen. Und es hat sich gelohnt!

Während zwei der vier Gewinnerdesigns auch für uns klar die coolsten waren, fand ich persönlich eines der Designs schlichtweg hässlich. Wir hätten uns also nie für dieses Design entschieden, doch durch die tagelangen Umfragen wussten wir, dass dieses Design gut am Markt ankommen wird.

Ein kleiner positiver Nebeneffekt war, dass die Leute schon vor unserem offiziellen Start von uns gehört haben und wir somit schon etwas „Brandbuilding“ betreiben konnten.

Die mehreren Monate Vorbereitung haben sich gelohnt. Der Space Wallet ist bisher ein voller Erfolg. Und durch diese zwei einfachen Maßnahmen wirst auch du deine Erfolgschancen für deine nächste Idee deutlich erhöhen.

Zum Schluss möchte ich noch mal kurz die Ideen zusammenfassen:

Beginne so früh wie möglich damit zu testen, ob Leute dein Produkt für echtes Geld kaufen würden. Wenn du, dein Onkel und deine fünf Freunde dein Produkt echt cool finden, heißt das noch nicht, dass es erfolgreich ist. Bringe Leute dazu, Geld in die Hand zu nehmen. Dein Produkt muss dazu noch nicht fertig sein, du kannst ganz einfach ein fertiges Produkt simulieren.

Einhergehend mit dem ersten Punkt und fast noch wichtiger: Teste dein Produkt am Markt! Und zwar so früh und oft wie möglich. Nimm dir die Zeit, um deine Zielgruppe zu verstehen, unterhalte dich mit ihr und stelle massenhaft Fragen. Lasse deine Zielgruppe über das Aussehen und die Funktionen entscheiden.

Oft wird es so sein, dass du eine Funktion für unnötig oder ein Design für unglaublich hässlich hältst. Das ist aber egal. Deine Kunden haben Recht. Immer!

Als letzten Punkt möchte ich nochmals betonen, wie wichtig es ist, so früh und umfangreich wie möglich seine Geschäftsidee zu testen. Viel zu viele Gründer sind von ihrer Idee so begeistert, dass sie ohne umfangreiches testen gleich starten – um dann nach einigen Monaten festzustellen, dass es unmöglich ist mit der Geschäftsidee profitabel zu werden.

Macht eure Hausaufgaben. Testet eure Idee ausgiebig, bevor ihr eure Zeit und euer Geld sinnlos verbrennt! Aber letztendlich ist es wichtig, sich nicht in den Tests zu verlieren. Sobald ihr ein Potential erkennt, gebt Gas und erstellt mit der Zielgruppe zusammen ein geiles Produkt.

spacewallet.de

 

Matthias Groo

Matthias Groo

Matthias Groo arbeitet gerade bei einem Startup Akzelerator im amerikanischen Silicon Valley. Neben Space Wallet führt er mit seinem Space Wallet Mitgründer René Seppeur noch den Blog Last-Business-Blog.de sowie einige Online Projekte wie www.immobilienmakler-ausbildung24.de oder www.bauchreden-lernen.com.

  • Tobias Bode

    Sehr interessanter Einblick. Vorfällen weil ich… Möglicherweise nicht ganz zufällig, wie ich gerade merke.. Erst gestern auf das Space wallet aufmerksam geworden bin. :)
    Viele startups bieten eine Diesntleistung oder eine digitale Angebote in Form einer App an.
    Inwiefern würdest du das Prinzip der Marktanalyse bzw. hier übertragen?

    • Hi Tobias, freut mich, dass dir der Artikel gefällt!

      Dienstleistungen und Apps kann man ähnlich testen. Mache ein Video von einer PowerPoint Präsentation, die zeigt, wie dein Produkt funktioniert. Also einfach Bilder vom Mockup deiner App.

      Dieses Video zeigst du dann Leuten auf der Straße (falls du im B2C Bereich unterwegs bist) oder halt deiner Zielgruppe. Dann holst du dir deren Feedback und fragst sie am Ende ob sie bereit wären die App zu kaufen bzw. welche Features du noch einbauen musst bis sie bereit wären zu zahlen.

      Oder du packst das Video auf deine Homepage und machst ne schöne Landingpage. Hier bietest du dann Leuten die Möglichkeit direkt das Produkt zu kaufen auch wenn dein Produkt nicht fertig ist. (und lässt einfach wieder eine Fehlermeldung auftauchen).

      Letztendlich ist es sehr wichtig, dass du so früh wie möglich echtes Feedback bekommst und nicht ewig lange alleine vor dich hin tüftelst. Es reicht vollkommen, wenn du erste Zeichnungen deiner App hast und diese dann zeigst.

  • HI Matthias,

    mir gefällt euer Businesszugang & euer Produkt – habe gestern kurz mit deinem Partner Rene telefoniert und würde mich freuen, mit Euch in Kontakt zu bleiben. Bei welchem Akzelerator bist Du tätig? Vielleicht möchtest Du mir auch deine Kontaktdaten schicken? Habe dich auf FB hinzugefügt.

    LG von Wien ins Valley

    • Und ich hab mich schon gefragt, wer diese mysteriöse Person ist, die mich da adden will. ;)

      Lass einfach über Facebook weiter quatschen.