Intrinsische Motivation – Gründen aus Leidenschaft

„Intri-WAS? Was ist das denn schon wieder?“, fragte man mich neulich. Dabei ist der Begriff intrinsische Motivation eigentlich ganz einfach zu erklären: Er beschreibt die Bereitschaft, etwas zu tun: und zwar nicht aufgrund einer in Aussicht gestellten materiellen Belohnung, sondern allein aufgrund des inneren Willens, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Am besten lässt sich dieses Phänomen an einem Beispiel erklären.

Intrinsische Motivation – Vom Läufer zum Gründer

Vor etwa sechs Jahren verspürte ich von einem Tag auf den anderen den Drang, zu laufen. Warum das so war, weiß ich gar nicht genau: Innerlich fühlte ich einfach ein Verlangen, regelmäßig zu laufen und an Laufevents teilzunehmen. Dabei lag keine extrinsische Motivation – das Gegenteil zur intrinsischen Motivation – vor: Weder hatte ich das Ziel, mein Gewicht zu reduzieren (bei 1,80 m Größe und 75 kg Gewicht wäre die Belohnung doch recht gering ausgefallen), noch wollte ich einen Wettbewerb gewinnen.

Mein Ziel bestand einfach darin, zu laufen.

So begann ich, meiner intrinsisch motivierten Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Von einem Moment auf den anderen bin ich nahezu täglich gelaufen: mit Höhen und Tiefen. Im Nachhinein glaube ich, dass mich das Laufen erst richtig fit für meine Gründung gemacht hat. Ich habe gelernt, durchzuhalten. Manchmal gingen mir bereits nach drei Kilometern Zweifel durch den Kopf: “Was mache ich hier nur?” Doch ich begriff schnell, wie wichtig diese Phase war: Die Überwindung des ersten Tiefs ist entscheidend für nachhaltigen Erfolg.

Meinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf absolvierte ich in knapp einer Stunde. Ein Jahr später schaffte ich die zehn Kilometer bereits in unter 43 Minuten. Nach weiteren zwölf Monaten lief ich den Tegernseer Halbmarathon in knapp 1:45 Stunden. Meine Zeiten, sie waren immer da. Ich war zwar nie auf sie fixiert, hatte sie aber jederzeit im Blick.

Intrinsische Motivation – Gründen aus Leidenschaft

Das Laufen und die Gründung eines Unternehmens mögen zwei verschiedene Dinge sein. Trotzdem konnte ich meine beim Laufen gewonnene Einstellung in die Unternehmensgründung einbringen: Ich hab meine intrinsische Motivation auf meine unternehmerische Tätigkeit projiziert.

Zugegeben, ich habe nebenberuflich gegründet – es gab also wenige materielle (=extrinsische) Notwendigkeiten. Trotzdem bin ich nach wie vor von der These überzeugt, die ich im Artikel “Ich brauche Kohle – ich gründe ein Start-up” formuliert habe: Die alleinige Fokussierung auf materielle Ziele ist bei einer Gründung sicherlich nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Ein Start-up, das in jeder Phase Leidenschaft zum Vorschein bringt, den Gründer das machen lässt, was ihm Spaß macht, und anderen zudem nützlich ist, wird meines Erachtens früher oder später besser fahren. Natürlich sollte man seine Zahlen dabei immer im Auge behalten. Doch weder Geld noch der große Ruhm dürfen allzu sehr im Vordergrund stehen. Stattdessen lautet das ideale Gründermotto: Mach Dein Ding! Schaffe einen Mehrwert für andere, und du gewinnst einen Mehrwert für Dich!

Der Fokus auf die Gründungsvision mag zu Lasten eines schnellen Profites gehen; es kann etwas länger dauern, bis ein intrinsisch motiviertes Unternehmen rentabel wird. Dafür aber trotzt der innere Wille, etwas erreichen zu wollen, auch den größten Widerständen.

In diesem Sinne: Gib nicht auf – lauf weiter!

 

Lukas Herbst

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Lukas Herbst ist 37 Jahre alt, Produktmanager bei Gemalto und Gründer der Online-Plattform StartupBrett. Nach Kosmos-Kasten, C64, Schule und Studium, folgten erste Erfahrungen als Freelancer, eine Festanstellung, 2 Kinder und 2 Start-ups.