Interview mit Listenchampion: Vom Startup zum Marktführer für Branchenlisten zum Herunterladen

Jedes Startup auf der Suche nach Investorengeldern steht vor der Herausforderung, passende Risikokapitalgeber zu identifizieren. Bei der Investorensuche hilft Listenchampion mit umfangreichen Branchen- und Investorenlisten, die einfach über den hauseigenen Onlineshop heruntergeladen werden können. Der Zugang zu schwer durchschaubaren Industrien war noch nie so einfach wie mit den Datenbanken der Münchner. Obwohl sich die Gründer Leo und Jan-Erik täglich mit Venture Capital Fonds, Family Offices und der Investmentszene in Deutschland beschäftigen, sind sie stolz darauf, ihr Startup mit Bootstrapping zum Erfolg zu führen. Weshalb das ist so, könnt ihr in dem Interview mit den beiden Gründern erfahren.

Ihr habt 2017 Listenchampion ins Leben gerufen. Welchen Service bietet ihr damit an?

Leo: Wir betreiben mit Listenchampion.de das führende Portal für Branchen- und Investorenlisten. Das bedeutet, dass wir intransparente Branchen analysieren, die relevantesten Akteure identifizieren und in übersichtlichen Excel-Listen über unseren Onlineshop anbieten. Undurchsichtige Märkte findet man vor allem in der Investoren- und Immobilienbranche, weshalb wir besonders stark in diesen Bereichen sind. Zu unseren Produkten zählen beispielsweise eine Liste der größten Single Family Offices in Europa, eine Liste der größten Immobilieninvestoren in Deutschland oder eine Liste der größten deutschen Venture Capital Fonds. Wir decken aber nicht nur die Investmentszene ab und haben auch Datenbanken mit deutschen Industrieunternehmen, Beratungen oder Startups im Angebot.

Das klingt, als hättet ihr erfolgreich eine Nische entdeckt und besetzt. Wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen?

Jan-Erik: Wir haben uns während eines Praktikums bei einem Venture Capital Fonds in München kennengelernt. Zu unseren Aufgaben gehörte die Erstellung von Unternehmenslisten und wir wunderten uns, dass es hierfür noch keinen Online Marktplatz gab. Also gründeten wir Listenchampion, um die typischen Aufgaben der Praktikanten in Deutschland skalierbar anzubieten. Unsere These war, dass unterschiedliche Firmen immer wieder auf der Suche nach den gleichen Unternehmenslisten sind und parallel die identische Recherche betreiben. Wir überlegten uns Branchen, die in unseren Augen besonders nachgefragt sein sollten und starteten unseren Onlineshop. Nach kürzester Zeit verkauften wir die ersten Listen und merkten, dass es tatsächlich eine Nachfrage nach unseren Produkten gibt. Nach und nach kristallisierte sich heraus, in welchen Branchen unsere Listen einen besonders großen Mehrwert stiften und in welchen Industrien unsere Datenbanken auf eher geringes Interesse stoßen.

Research wird ja tatsächlich in fast allen Bereichen benötigt. Wer sind denn eure Kunden?

Leo: Das hängt ganz von der jeweiligen Liste ab. Generell kommen Unternehmen auf uns zu, um potenzielle Geschäftspartner zu finden. Manche unserer Kunden suchen Investoren, andere möchten mit unseren Listen den Vertrieb stärken und wieder andere wollen einen Marktüberblick mit allen relevanten Wettbewerbern erhalten. Unser Service ist deutlich unkomplizierter und günstiger als die Beauftragung von Research-Boutiquen, sodass wir für viele verschiedene Kundengruppen interessant sind. Im Immobilienbereich unterstützen wir unter anderem Makler, Investoren, Asset Manager, Projektentwickler und Dienstleister. Unsere Investorenlisten sind sowohl für M&A-Berater von Interesse als auch für Startups auf der Suche nach frischem Kapital oder gefestigten Unternehmen, die einen erfahrenen Wachstumspartner suchen.

Jan-Erik: Im Laufe der Zeit konnten wir tatsächlich immer mehr Kundengruppen erreichen und unterstützen. Wir merken zum Beispiel zunehmend, dass Vertriebsabteilungen aus sämtlichen Branchen unsere Listen wertschätzen. Erfahrene Sales-Manager kennen zwar die meisten potenziellen Kunden in ihrer Branche, arbeiten aber oft mit veralteten Daten. Unsere Branchenlisten eignen sich gut, um die Kontaktdaten in den CRM-Systemen zu aktualisieren oder neue Player aufzuspüren und so die Lead-Generierung zu verbessern. Auch wenn neue Märkte angegangen werden sollen, greifen Vertriebler und Business Developer auf uns zurück. Wir sind gerade dabei, die typischen Kunden von Listenchampion in Form von Personals abzubilden, um unseren Service noch besser auf die jeweiligen Akteure abzustimmen.

Nun seid ihr mit eurem Startup seit 3 Jahren am Markt. Welche Tipps könnt ihr unseren Lesern zum Thema Gründen geben?

Jan-Erik: Mein wichtigster Tipp ist, dass ihr einfach loslegen müsst und euch vor allem zu Beginn von den vielen Meinungen um euch herum nicht beirren lassen solltet. Wir sind nur mit einer groben Idee gestartet und haben sie einfach einmal in die Tat umgesetzt. An das Konzept von Listenchampion haben in unserem Umfeld nur die wenigsten geglaubt. Wir haben die Hinweise von Kollegen, Freunden und Bekannten natürlich ernst genommen aber waren der Meinung, dass es dennoch einen Versuch wert ist. Natürlich waren unsere Anfänge alles andere als professionell und wir haben sehr viele kleine Fehler gemacht, über die wir heute lachen. Allerdings stehen wir mit Listenchampion inzwischen sehr gut da und sind froh, uns die Vision nicht zerredet gelassen zu haben.

Leo: Den Tipps von Jan-Erik schließe ich mich an. Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, einen strategischen Fokus zu setzen und zu verfolgen. Eines der Erfolgsrezepte für Listenchampion ist unser langfristiges Denken gepaart mit einem großen Maß an Durchhaltevermögen. Strategisch wichtige Projekte lassen sich in den seltensten Fällen über das Knie brechen, sondern erfordern zeitaufwendige Arbeit, die nicht sofort Ergebnisse zeigt. Wir haben das Glück, umsatzfinanziert zu wachsen und keine Investoren im Hintergrund zu haben, die kurzfristige Erfolge sehen möchten. So können wir sehr nachhaltig arbeiten und uns Freiheiten nehmen, die dem Wachstum von Listenchampion auf lange Sicht gut tun.

Bewusst auf Investorengelder zu verzichten klingt recht untypisch für ein Startup. Könnt ihr darauf etwas genauer eingehen?

Leo: Für gewisse Geschäftsmodelle ist es für das Wachstum des Unternehmens wichtig, Risikokapital aufzunehmen. Das gilt etwa für Firmen, die große Investitionen tätigen müssen oder Geschäftsmodelle, die auf Skaleneffekte ausgelegt sind. Der Investitionsbedarf für Listenchampion ist vergleichsweise gering, sodass wir von Anfang an nur auf der Basis des Umsatzes gewachsen sind. Wir waren auch von Anfang an der Meinung, dass wir unser Unternehmen nicht mithilfe von externen Geldern aufblähen möchten, indem beispielsweise die Marketingausgaben exorbitant erhöht werden. Wir sind zwar langsamer gewachsen, als andere Startups mit Investoren im Hintergrund. Dafür waren wir von Anfang an Cashflow positiv und haben viele Freiheiten in der Gestaltung unserer Aktivitäten. Unsere Geschäfte stehen heute auf soliden Beinen, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass wir immer versucht haben ein gesundes Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag sicherzustellen.

Gibt es denn auch Momente, in denen ihr zusätzliches Kapital vermisst?

Jan-Erik: Natürlich gibt es Momente, in denen wir uns wünschen würden, schneller voran zu kommen und uns den Erfolg zu „kaufen“. Im Nachhinein haben wir aber mittel- und langfristig immer davon profitiert, genau auf unsere Ausgaben zu achten. Ich würde also sagen, dass wir Kapital von außen nicht wirklich vermissen.

Ob mit oder ohne externe Geldgeber: Wie stellt ihr euch das zukünftige Wachstum von Listenchampion vor?

Jan-Erik: Für uns geht es momentan vor allem darum, die Marke Listenchampion noch bekannter zu machen und für immer mehr Personen in der Geschäftswelt die erste Anlaufstelle für Branchen- und Investorenlisten zu werden. In der Immobilien- und Investmentszene konnten wir uns bereits einen Namen machen, den gilt es nun auch in weitere Industrien zu übertragen. Gleichzeitig wird es wichtig bleiben, das Kerngeschäft nicht zu vernachlässigen. Unsere Datenbanken müssen immer auf dem aktuellsten Stand gehalten und die Kundenkontakte nachhaltig gepflegt werden.

Leo: Das sehe ich genauso. Wichtig wird in diesem Zusammenhang der Ausbau unserer technologischen Möglichkeiten. Wir sind bereits in der Lage, Teile der Recherchen automatisiert durchzuführen, können uns hier jedoch noch verbessern. Unser Ziel ist es, immer mehr Prozesse mithilfe unserer Software abzubilden und den manuellen Aufwand soweit es geht zu minimieren. Gleichzeitig werden wir immer großen Wert auf die Arbeit unserer Research Analysten legen, die alle Unternehmen in unseren Listen genauestens analysieren, um die höchstmögliche Datenqualität sicherzustellen.