Gesunder Arbeitsplatz: Ergonomie und Fitness im Büro

„Sitzen ist das neue Rauchen“ – das behaupten zumindest Ärzte, die über die letzten Jahre erschreckende Beobachtungen machen. Immer mehr Menschen verrichten ihre Arbeit im Sitzen. Und das hat Folgen: Rücken- und Nackenbeschwerden sind mittlerweile die zweithäufigsten Erkrankungen, wenn es um Krankschreibungen geht. Untersuchungen zeigen, dass langes Sitzen nicht nur physische Probleme mit sich bringt, sondern sich langfristig auch auf die Motivation und Psyche auswirkt. Dabei ist richtiges Sitzen gar nicht so schwer.


Ergonomisch Sitzen (und Stehen!)


Von einem ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz profitiert nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen. Studien zeigen, dass viele Arbeitgeber das Potential ihrer Mitarbeiter nicht optimal ausnutzen. Durch den Verzicht auf eine ergonomische Büroausstattung sollen bis zu 36% der Leistung eingebüßt werden. Doch wie richtet man den perfekten Arbeitsplatz ein? Erster Ansatzpunkt sollte immer die Arbeitsumgebung sein. Der Schreibtisch sollte mindestens 80 Zentimeter tief sein – ansonsten gilt er nicht als Schreibtisch, sondern als Ablagefläche. So ist auch ein guter Abstand zum Monitor gewährleistet. Ein ergonomischer Schreibtisch ist außerdem höhenverstellbar, damit jeder die optimale Sitzposition für sich erreichen kann. Immer häufiger setzen moderne Unternehmen auch auf sogenannte Stehschreibtische: Sie sind so konzipiert, dass sie mitsamt Monitor und Büroausstattung hochgefahren werden können. Der Mitarbeiter kann dann seine Arbeit im Sitzen oder Stehen ausführen – ganz wie er möchte. Der Bürostuhl sollte so dynamisch wie möglich ausgestaltet sein: Sowohl Armlehnen, als auch Rückenlehne sollten individuell verstellbar sein. Natürlich ist er auch in der Höhe variable. Eine gute Federung ermöglicht ein entspanntes Sitzen und fördert die Beweglichkeit.


Tastatur und Bildschirm richtig nutzen


Nicht nur Muskel- und Skeletterkrankungen sind die Folge von zu langem Sitzen, sondern auch Augenflimmern, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Grund dafür ist die exzessive Bildschirmarbeit im Büro. Ein auf falscher Höhe eingestellter Monitor sorgt nicht nur für Nackenschmerzen, sondern auch für einen brummenden Kopf nach acht Stunden Arbeit. Richtig eingestellt ist er, wenn man den Kopf leicht nach unten neigen muss, um die erste Zeile auf dem Schirm zu lesen. Außerdem sollte er so groß wie möglich sein: Studien ergaben, dass Mitarbeiter mit einem 24 Zoll großen Monitor bis zu 50% schneller arbeiten, als Kollegen mit einem kleineren 18 Zoll Screen. Die Tastatur sollte nicht am Rand des Schreibtisch liegen, sondern noch ca. 10 Zentimeter hinter den Fingerspitzen, wenn man die Hände flach auf den Schreibtisch legt. Ergonomische Tastaturen machen uns das Leben leichter, wenn sie eine Handballenauflage besitzen. Das Abknicken der Handgelenke wird so vermieden. Auch geteilte Tastaturen machen das lange Schreiben leichter, in dem sie verhindern, dass wir die Hände seitlich einknicken. Dies führt langfristig bei vielen Mitarbeitern zu Schmerzen in Schultern und Oberarm. Das gleiche gilt übrigens für die Maus: Auch sie ist als ergonomische Variante erhältlich. Viele Menschen haben bei Mäusen aber auch ganz eigene Vorlieben: Einen Ansatz leiht man sich bei den Profi-Zockern: Hier wird die Form der Maus an die präferierte Haltung des Spielers und seine Handgröße angepasst. Am besten probiert man als Mitarbeiter verschiedene Maus-Varianten aus.


Mehr Bewegung für mehr Ruhe


Oft fühlen sich Menschen nach einem sitzenden Acht-Stunden-Tag derart ausgelaugt, dass sie sich auch zu Hause kaum bewegen und die Freizeit hauptsächlich sitzend verbringen. Ein Teufelskreis, der nur mit Bewegung – auch am Arbeitsplatz – zu durchbrechen ist. Gerade bei viel Bildschirmarbeit sollte für jede volle Stunde eine Fünf-Minuten Pause eingelegt werden. Verbringen Sie diese aber nicht sitzend, sondern stehen Sie auf und laufen Sie umher. Es gibt außerdem viele Übungen für den Schreibtisch, die man zwischendurch gut erledigen kann. Am besten druckt man sich ein paar Übungen aus und bringt sie mit an den Arbeitsplatz. So wird man immer wieder daran erinnert, auch etwas für die Gesundheit zu tun. Als Faustregel gilt übrigens: Sitzen Sie nie mehr als 40 Minuten am Stück. Spätestens dann aufstehen und umherlaufen oder die weitere Arbeit im Stehen verrichten.


Warm oder kalt?


Gerade in Großraumbüros gibt es immer wieder Diskussionen um die Temperatur. Die einen mögen es warm und kuschelig, andere möchten lieber den ganzen Tag an der frischen Luft sitzen. Dazu muss man wissen: In Deutschland sollten Büros mindestens 20 Grad warm sein. Außerdem haben Studien ergeben, dass Mitarbeiter in einem warmen Büro schneller arbeiten, als bei Kälte. Vorsicht aber bei zu viel Heizungswärme: Diese trocknet die Luft aus und sorgt für ein unangenehmes Klima. Luftreiniger und Luftbefeuchter sind gute Mittel, um dies zu verhindern. Wer direkt am Fenster sitzt sollte die steife Brise bei geöffnetem Fenster unbedingt vermeiden: Der Nacken ist bei der täglichen Bildschirmarbeit schon gestresst genug – wenn er dann noch einen Zug abbekommt, kann dies zu Schmerzen in Schultern, Armen und Kopf führen.

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