Eventbrite CTO Renaud Visage im Interview

Eventbrite ist die weltweit führende Plattform für Ticketing und Eventtechnologien. Seit der Gründung des Unternehmens hat Eventbrite rund um den Globus Tickets im Wert von über fünf Milliarden US-Dollar verkauft und wird auf mehr als zwei Millionen Veranstaltungen im Jahr eingesetzt. Im Rahmen der diesjährigen Bits & Pretzels haben wir die Chance genutzt und mit dem CTO Renaud Visage über Eventbrite und die Unternehmensgründung im Allgemeinen zu sprechen:

Renaud, bitte stell Dich unseren Lesern kurz vor:

Ich bin Renaud Visage, 45 Jahre alt, und habe gemeinsam mit Kevin und Julia Hartz vor zehn Jahren den mittlerweile global führenden Ticketinganbieter Eventbrite gegründet. Als CTO kümmere ich mich um die technologische Infrastruktur von Eventbrite. Vor der Unternehmensgründung war ich Berater und technischer Leiter bei Zing Networks.

Renaud, Eventbrite gibt es nun seit mehr als zehn Jahren und neben deinem Daily-Business investierst du auch in andere Startups. Gibt es etwas, das du jungen Gründern mit auf den Weg geben möchtest, eine Anleitung zum Gründen?

Ich glaube, die eine wahre Anleitung zum Gründen gibt es nicht. Dafür halten sich hartnäckige Gerüchte dazu, was ein echter Gründertyp ist und was Gründer können müssen. Vieles davon ist Quatsch.

Zum Beispiel höre ich oft, dass Entrepreneure Experten in einer Branche sein müssen, um erfolgreich zu gründen. Das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: Als Außenseiter sieht man die Branche mit ganz anderen Augen, kann neue Ideen einbringen, auf die ein Insider vielleicht nie kommen würde. Ich war vor Eventbrite auch kein Ticketingexperte.. Zweitens glauben viele, dass Gründer Multi-Talente sind, die einfach alles können. Dabei sind das natürlich auch nur Menschen wie du und ich, mit Stärken und Schwächen. Zu wissen, was man kann oder eben nicht: das ist wichtig. Und die Fähigkeit, Menschen zu finden und für das eigene Startup zu begeistern, die diese Schwächen im Unternehmen ausgleichen können.

Und drittens denken erschreckend viele in der Startup Community, dass man seinem Traum vom eigenen Unternehmen das Privatleben opfern muss. Das ist viel zu kurz gedacht.. Eine gesunde Work-Life-Balance ist Voraussetzung für Glück und Erfüllung und fördert die Produktivität. Dem eigenen Startup bringt es gar nichts, wenn man nach ein paar schlaflosen und Koffein getränkten Volldampf-Jahren ausbrennt.

Eventbrite ist mittlerweile die weltweit führende Plattform für Ticketing und Eventtechnologien. Was unterscheidet euch von der Konkurrenz?

Wir haben knapp 150 Programmierer und entwickeln unsere Plattform ständig weiter.  Nie aus Spaß am Gimmick, sondern immer mit dem Blick darauf, was unsere Veranstalter brauchen, um mehr Tickets zu verkaufen, und mit besonderem Augenmerk auf Usability. Bringt ja nichts, wenn wir tausende Features haben, die dann zu kompliziert sind und nur verwirren. Unsere Kunden schätzen das, und deswegen gehen bei uns pro Jahr über zwei Millionen Events über die Plattform.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich denn für Veranstalter die mit Eventbrite arbeiten?

Da gibt es natürlich viele, ich nehme mal Einen: Wer Tickets online verkauft, hat einen viel besseren Überblick über die eigene Veranstaltung. Das liegt daran, dass online viel mehr erfasst und ausgewertet werden kann. Wer sich auf Datenanalyse einlässt, und die machen wir wirklich einfach greifbar, der wird erstaunt sein, dass er so lange blind geflogen ist. Auf einmal steht da schwarz auf weiß, aus welchen Städten die eigenen Kunden kommen, über welche Anzeige oder über welchen Post sie auf die Ticketseite gekommen sind, wann sie wieder abgesprungen sind, ohne ein Ticket zu kaufen, und vieles mehr. Ohne großen Aufwand. Diese datengestützte Vogelperspektive ist das Ende vom Bauchgefühl und hilft dabei, z.B. das eigene Marketing effizient aufzustellen, um letztendlich mehr Tickets zu verkaufen.

Aber was haben die Besucher von dem technischen Fortschritt?

Die haben natürlich auch was davon. Sie können direkt auf dem Handy interessante Events finden und in sekundenschnelle Tickets dafür kaufen, die sie direkt aufs Handy geschickt bekommen, selbst, wenn sie gerade noch in der Schlange am Ticketschalter stehen. Demnächst bringen wir auch unsere smarten Armbänder nach Deutschland. Damit kommt man viel schneller in z.B. Festivals oder Konferenzen rein und kann bargeldlos bezahlen, wenn man das will. In den USA machen wir das schon, und die Fans stehen drauf.

Eventbrite veröffentlicht mehrmals im Jahr Studien zur Entwicklung von Festivals und anderen Großveranstaltungen. Verrate uns doch was es für neue Trends in dem Bereich gibt?

Die eben erwähnten smarten Armbänder, im Zusammenspiel mit auf der Venue verteilten Sensoren werden verändern, wie wir Festivals oder Konferenzen besuchen. Schlange stehen, am Eingang oder an der Bar, können wir uns hoffentlich in naher Zukunft abgewöhnen. Virtual oder Augmented Reality ist auch ein ganz heißes Eisen gerade, aber ob das mehr Besucher anzieht oder das Live-Erlebnis auf die Couch verlegt, darüber streiten sich noch die Geister.

Zum Schluss, gibt es noch etwas, das du unseren Lesern gerne mitgeben möchtest?

Weil hier viele Gründer mitlesen, oder jene, die vielleicht gerne gründen möchten, eine Bitte: Denkt bitte nicht in Schubladen! Ihr bestimmt selbst, aus welchem Holz ein Gründer geschnitzt sein muss. Habt Mut zum Gründen. Fragt nicht: Warum? Fragt: Warum nicht?


Vielen Dank, Renaud für die Zeit und die Einblicke.

Hier geht es direkt zu Eventbrite: www.eventbrite.de

Lukas Herbst

Lukas Herbst ist 37 Jahre alt, Produktmanager bei Gemalto und Gründer der Online-Plattform StartupBrett. Nach Kosmos-Kasten, C64, Schule und Studium, folgten erste Erfahrungen als Freelancer, eine Festanstellung, 2 Kinder und 2 Start-ups.

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