Was „Gründen mit Komponenten“ mit besserem Tee zu tun hat

Was hat "Gründen mit Komponenten" mit besseren Tee zu tun hat - StartupBrett

Jörg Bischoff ist Gründer von TeeVomKap. Sein Unternehmen hat er mit Komponenten gegründet. Über den Hintergrund dieses Unternehmenskonzeptes und seiner Vision haben wir mit ihm gesprochen.

Wie kam es zur Gründung Deiner Firma?

Jörg: Bis es zur Gründung von „TeeVomKap” kam, das war ein längerer Prozess. Als kreativer Mensch fühlte ich mich auf meinen bisherigen Positionen als Angestellter oftmals zu eingeschränkt. Ich hatte zwar immer wieder das Glück sehr eigenständig und auch kreativ auf verschiedenen Management-Positionen arbeiten zu können, allerdings wurden diese Phasen in den letzten Jahren immer seltener. So kam es das ich meine berufliche Position und weitere Zukunft grundlegend überdachte. Da ich merkte das ein Jobwechsel keine wirkliche Änderung bringen würde, rückte plötzlich das Thema Entrepreneurship als eine Möglichkeit in mein Blickpunkt.

Und dann hast Du Dich selbständig gemacht?

Jörg: Ganz so schnell ging das dann noch nicht. Das Ganze mußte tatsächlich erst einmal in mir wachsen. So studierte ich viel Literatur zu dem Thema Entrepreneurship. Unter anderem kam mir die „Teekampagne” von Herrn Professor Faltin über den Weg. Sein Konzept der Gründung mit Komponenten erschien mir die richtige Vorgehensweise.

Tatsächlich begann ich mich nach Feierabend neben meinen Beruf intensiv mit diesem Unternehmerischen Konzept zu beschäftigen. Ich startete auch den einen oder anderen Versuchsballon, war aber dann doch einige Zeit noch nicht reif den letzten Schritt zu wagen.

Irgend wann war es dann aber so weit und ich konnte mir selber und meinen Prinzipien gegenüber nicht mehr nein sagen. Und so habe ich meine eigene Teekampagne gestartet.

Um was geht es dann bei Deinem Startup?

Jörg: Bei TeeVomKap geht es um Rooibos und Honeybush. Also genauso wie bei der Teekampagne geht es um Tee und auf die Konzentration in einer Nische. Und in meinem Fall konzentriere ich mich auf Südafrika. Ursprünglich wollte ich mich dabei ausschließlich auf Rooibos konzentrieren, der in Deutschland sehr bekannt geworden ist und mittlerweile mein Favorit ist. In Südafrika lernte ich dann aber auch noch Honeybush lieben und importierte den gleich mit nach Deutschland.

Dabei war mir das am Anfang nicht bewusst, dass ich in Richtung Rooibos und Honeybush gehen würde. Manchmal scheinen die Dinge auf der Hand zu liegen, jedoch man sieht sie nicht.

Erzähle uns doch noch ein wenig was unter dem Komponentenprinzip zu verstehen ist.

Jörg: Die Idee dahinter ist, das es für so ziemlich alle Tätigkeiten in einem Unternehmen bereits Nischenanbieter gibt die diese Tätigkeiten übernehmen können. So gibt es Spezialisten für Buchhaltung, für IT, Logistik oder sonst was. In meinem speziellen Fall heißt das beispielsweise, das ich in Südafrika vor Ort mir den richtigen Partner ausgesucht habe. Für den Transport habe ich ein entsprechendes Unternehmen beauftragt. Die Gestaltung des Etiketten-Design habe ich an einen Grafiker vergeben. Die Umverpackung in die Tee-Tüten habe ich an einen Lohnverpacker vergeben. Und für die Lagerhaltung und Logistik habe ich auch wieder einen Dienstleister beauftragt. All diese Spezialisten können diese Komponenten viel professioneller und Letzten Endes auch kostengünstiger anbieten, als mir das in Eigenregie möglich wäre. Der Unternehmer definiert den Prozeß und fügt alles zusammen. Fast wie bei einem Dirigent der die einzelnen Musiker dirigiert. Das beschreibt im Groben das Komponentenprinzip.

Wie bist Du eigentlich zum Rooibos und zum Honeybush gekommen?

Jörg: Als meine Frau mit unserem ersten Sohn schwanger war, war das Thema Koffein mit einem Mal für meine Frau tabu. Der lieb gewonnene morgendliche Kaffee oder auch Schwarztee wie zum Beispiel Darjeeling enthalten letzten Endes Koffein. Und das Koffein für die Entwicklung eines ungeborenen Kindes sich negativ auswirken kann dürfte sicherlich bekannt sein. Es wird bei starken Koffeinkonsum sogar von Fehlgeburten berichtet.

Des weiteren benötigt der Körper einer schwangeren Frau eine erhöhte Eisenzufuhr. So suchte meine Frau bald Ersatz für Ihr morgendliches Getränk. Da Rooibos sowohl koffeinfrei ist und einen hohen Eisenwert aufweist gab meiner Frau diesen Tee seine Chance.

Was schwangere Frauen und auch stillende Mütter über Rooibos und auch Honeybush wissen sollten, habe ich vor kurzen in meinem Blog kompakt zusammengefasst.

Auch ich habe dann während der Schwangerschaft meiner Frau verstärkt den Rooibos kennen und lieben gelernt. Dabei konnte ich feststellen das meine morgendliche Übelkeit die ich auf meine Laktoseintoleranz zurück führte durch Rooibos noch weiter habe eindämmen können. So mußte ich feststellen, dass ich auch eine geringe Koffeinunverträglichkeit habe. Durch die Substituierung des morgendlichen koffeinhaltigen Darjeeling oder Kaffee mit dem Rooibos konnte ich die Übelkeit gänzlich eliminieren. Zum anderen werden dem Rooibos auch krampflösende Eigenschaften nachgesagt, die sich positiv auf den Magen-Darmtrakt auswirken sollen.

So kam es das wir beim Rooibos „hängen” geblieben sind. Und so entstand hieraus die Idee Rooibos und Honeybush in höchster Qualitätsstufe ausschließlich in Bio-Qualität am deutschen Markt anbieten zu können.

Warum sollte der Kunde bei TeeVomKap kaufen? Was macht Dein Angebot besonders?

Jörg: Dank der Konzentration auf eine kleine Region kann ich größere Mengen beziehen. Durch den direkten Import kenne ich die Landwirte und kann die Qualität garantieren. Die Landwirte kann ich fair entlohnen. Da ich selber importiere spare ich aber auf der anderen Seite Gewinnmargen von Zwischenhändlern, Exporteuren und Großhändlern ein. Die daraus resultierenden Kosteneinsparungen gebe ich an meine Kunden weiter. Durch das Prinzip der Großpackungen anstatt vieler Kleinpackungen werden weitere Kosten für Etiketten und Verpackungen eingespart. Auch diese Einsparungen gebe ich bei TeeVomKap gerne an meine Kunden weiter.

Mit diesem Prinzip ist es mir möglich Produkte anzubieten, die aufgrund Ihrer Premium-Qualität bei anderen Händlern um ein vielfaches teurer angeboten werden müssen.

Wie sieht denn Dein Kunde aus?

Jörg: Mein Kunde trinkt gerne hochwertigen Tee. Egal ob mit oder ohne Koffein. Im Prinzip kann das jeder gesundheitsbewußte Teetrinker sein. Zu einem engeren Kundenkreis gehören sicher die schwangeren und stillenden Frauen, da diese Koffein reduzieren möchten und auch sollten. Aber auch für alle anderen Teetrinker die gerne aus anderen Gründen auf Koffein verzichten möchten kommen meine Angebote in Frage. So kann Rooibos und Honeybush auch zum späten Abend noch getrunken werden ohne im Nachgang die Bettruhe zu torpedieren. Und dann gibt es noch diejenigen, die schlichtweg kein Koffein vertragen.

Und dann gibt es ja auch noch die Kaffee- und Espressotrinker die vielleicht auf Koffein verzichten müssen aber eigentlich nicht so gerne herkömmlichen Tee trinken. Für die habe ich eine Besonderheit, nämlich einen Espresso auf Rooibos Basis. Dabei handelt es sich um ein gemahlenes Rooibos-Pulver das wie Kaffee- oder Espressopulver verarbeitet werden kann. Somit kann mein Rooibos-Espresso in Espresso-Maschinen, Espressokocher, French-Press, Kaffeefilter oder ähnlichen aufgebrüht werden. Im Anschluss kannst Du hieraus leckeren Cappuccino oder Latte und Co zubereiten.

Was sind Deine Ziele für das Jahr 2015

Jörg: Ende letztes Jahr habe ich noch „TeeVomKap” als Marke eintragen lassen. Der Name ist somit geschützt. In erster Instanz gilt es jetzt meine Marke bekannt zu machen. Marketing-Maßnahmen sind also die wichtigen nächsten Aufgaben. Natürlich gilt es aber vor allem meine Kunden durch die Qualität zu überzeugen und somit zu wiederkehrenden Kunden und am besten zu Multiplikatoren zu machen. Auch gilt es bei den Kaffee-Liebhabern meinen Rotbusch-Espresso zu platzieren und bekannt zu machen.

Was ist Deine Vision für die Zukunft?

Jörg: Mittelfristig möchte ich vor allem Honeybush in Deutschland bekannter machen. Während Rooibos sehr bekannt ist, kennen Honeybush nur die wenigsten. Natürlich möchte ich auch meine Espresso-Variante basierend auf Rooibos für die Kaffeetrinker unter uns bekannt machen. Und so soll der Name „TeeVomKap” am Ende als Synonym für Premium Rotbusch und Honigbusch wahrgenommen werden.

Beim Thema Darjeeling ist die Teekampagne mittlerweile über Landesgrenzen hinweg bekannt. Es wäre schön, wenn es mir auf vergleichbare Weise gelingen würde den Namen „TeeVomKap” bei Rooibos und Honeybush bekannt zu machen. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg.

Hast Du noch einen Tipp für unsere Leser die mit dem Gedanken spielen Unternehmer zu werden?

Jörg: Ein Unternehmen aufzubauen ist wie Extrem-Bergsteigen. Schnell geht da gar nichts. Ausdauer ist gefragt. Außerdem muß man das Bergsteigen auch wollen! Und bevor man einen Gipfel angeht sollte man zuvor seine Hausaufgaben gemacht haben. Für den Unternehmer übersetzt heißt das: Finde Deine Leidenschaft die Dir auch wirklich Spaß macht damit Du bis zum Schluß durchhältst und nicht vor Erreichen Deines Gipfels abbrichst. Außerdem plane Deinen Start mit der entsprechenden Sorgfalt.

Und wenn Du zwischendurch mal einen Durchhänger hast, mache trotzdem weiter. Zur Not mit Baby-Steps. Denn auch jeder noch so kleine Schritt bringt Dich Deinem Ziel entgegen.

Vielen Dank für den interessanten Einblick den Du uns gegeben hast, Jörg. Wir wünschen Dir viel Spaß und vor allem Erfolg mit Deinem Unternehmen „TeeVomKap”.

Jörg Bischoff

Jörg Bischoff bezeichnet sich selber als einen kreativen Menschen der sich gerne seinen Leidenschaften Genuß und Entrepreneurship widmet. Darüber hinaus ist er glücklich verheiratet mit einer selbstbewussten Frau die Ihn bei seinen kreativen Ideen nach Kräften unterstützt. Des Weiteren ist er Vater von zwei heranwachsenden Jung’s die ihn nicht nur herausfordern sondern auch tagtäglich Spaß machen.

Lukas Herbst

Lukas Herbst

Lukas Herbst ist 37 Jahre alt, Produktmanager bei Gemalto und Gründer der Online-Plattform StartupBrett. Nach Kosmos-Kasten, C64, Schule und Studium, folgten erste Erfahrungen als Freelancer, eine Festanstellung, 2 Kinder und 2 Start-ups.

  • Philipp

    Der günstigste Tee kostet 28 EUR pro Kilo. Und dann noch 4,80 EUR Versandkosten.
    Vielleicht irre ich mich ja und bald rennt jeder Hipster mit Kaptee rum, aber ich glaube die Herausforderung bei diesem Geschäftsmodell liegt eindeutig darin, die Zielgruppe zu erschließen und nicht so sehr im Zusammenfügen der Komponenten. Viel Erfolg!

    • Danke für Deinen Kommentar Philipp,

      offensichtlich ist es mir im Interview nicht gelungen dem Leser transparent zu machen das er ein Premium-Produkt bekommt, welches beim Fachhandel oftmals wesentlich teurer ist. Das muss ich auch auf meiner Seite noch deutlicher heraus arbeiten! Danke somit für Deinen Kommentar!

      28€/kg für ein Premium Produkt ist tatsächlich günstig. Der Preis schlägt sogar so manch Teebeutel-Billigschrott. Vorschlag: Rechne beim nächsten Supermarkt-Einkauf die Teebeutelpackung mal auf das Kilo hoch. Das ist wirklich interessant! Da wirst Du staunen dass viele Teebeutelprodukte nicht wirklich wesentlich günstiger sind! Und in solch einem Teebeutel ist letzten Endes meist nur Abfall. Bei Tee-Fachhändler wirst Du für eine vergleichbare Premium-Qualität von losen Tee oft ein Vielfaches zahlen (80€/kg und mehr ist da keine Seltenheit).

      Und da sind wir dann auch schon bei der Zielgruppe: Teetrinker die hochwertige Produkte konsumieren wollen, aber dafür nicht Unsummen ausgeben möchten.

      Und ja, Komponenten zusammenfügen ist die eine Sache (wobei das auch schon spannend, zeit- und arbeitsintensiv war). Die Herausforderung liegt letzten Endes wie so oft beim Marketing.

      Gruß… Jörg (TeeVomKap)

  • Suvrajit

    Der Beitrag ist zwar interessant, aber das Konzept gründen mit Komponenten ist nichts Neues. Beim nächsten Mal würde ich mir aber einen Beitrag ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler wünschen.

    • Danke für Dein Hinweis, Suvrajit. Ist korrigiert! Entschuldigung – wir machen es besser.

    • Du hast recht Suvrajit: Das Komponentenprinzip ist tatsächlich ein „alter“ Hut. Aber ich denke nach wie vor ein guter! Mein Vorbild ist definitiv die Teekampagne vom Professor Faltin. Daher konnte ich es mir auch nicht verkneifen die Teekampagne im Interview zu nennen. Das Konzept als solches funktioniert. Und das kann ich mittlerweile auch aus persönlicher Erfahrung bestätigen.


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