fairriester-Kritik erfreut Berliner FinTech-Gründer

fairriester-Kritik erfreut Berliner FinTech-Gründer
Die Gründer von fairr.de: Alexander Kihm, Ambros Gleißner und Jens Jenneissen (v.l.n.r.)

Kritik ist wertvoll. Wenn sie konstruktiv ist, hilft sie Start-ups ihr Produkt zu verbessern. Auch Schmähkritik hat ihr Gutes: Sie zeigt, dass die Gründer auf dem richtigen Weg sind.

Die Riester-Rente ist alles andere als sexy. Deshalb taugt dieses langweilige Produkt nicht als Gründungsstory für ein FinTech. Klingt einleuchtend, ist aber falsch. Das beweisen Jens Jennissen, Alexander Kihm und Ambros Gleißner, die seit Juli 2014 den Markt für staatlich geförderte Fondssparpläne aufmischen.

Seit ihr Altersvorsorge-Angebot fairr.de live ging, haben Bankberater und Versicherungsvertreter ein Problem: Sie müssen ihren Kunden erklären, warum „normale“ Altersvorsorge-Produkte die Verbraucher nur vielleicht, die Vermittler aber sehr wahrscheinlich reich machen. Der Grund für dieses Missverhältnis: Provisionen und Kosten schmälern die Rendite und lassen das Vermögen der Vorsorgesparer langsamer wachsen als dies bei einem Produkt mit schlanker Gebührenstruktur möglich wäre.

Hier haben die Gründer von fairr.de angesetzt: Bei ihrem Fondsparplan fairriester verzichten sie auf Abschlussprovisionen und weisen sämtliche Gebühren transparent aus. Außerdem investiert der fairriester das Geld der Kunden ausschließlich in einen Mix aus so genannten passiven Investmentfonds. Deren Vorteil: Sie verzichten auf teures aktives Fondsmanagement und bilden stattdessen einen bestimmten Börsenindex genau nach. Das spart Kosten und sorgt langfristig für höhere Erträge.

Der Ergebnis der Arbeit des Berliner Trios kann sich sehen lassen: Die Zahl der fairriester-Verträge steigt stetig – nicht zuletzt weil Verbraucherschützer wie beispielsweise die Stiftung Warentest (Finanztest) und der unabhängige Informationsdienst finanztip.de den fairriester empfohlen haben.

Der Erfolg ruft seit Mitte 2015 Gegner auf den Plan, die sich normalerweise diskret zurückhalten, wenn es um die Nachteile von Finanzprodukten geht. In den einschlägigen Publikationen und Diskussionsforen provisionsgetriebener Finanzvermittler und Versicherungsvertreter wird heftig gegen den fairriester polemisiert. „Was in der Maklerszene derzeit über uns verbreitet wird, ist teilweise unterste Schublade“, sagt Alexander Kihm, der bei fairr.de für die Produktentwicklung zuständig ist.

Sorgen macht sich Kihm jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: „Diese Anfeindungswelle ist das beste, was uns passieren konnte“, meint der promovierte Volkswirt. Das Verhalten der provisionsgetriebenen Vertriebler zeige, dass fairr.de auf dem richtigen Weg sei. Wenn das stimmt, dürfte der Gegenwind demnächst noch heftiger werden: Das Berliner Start-up will noch in diesem Jahr staatlich geförderte und abschlusskostenfreie Produkte zur Rürup-Rente und zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) auf den Markt bringen.

 

Winfried Rauter

Winfried Rauter ist freier Wirtschaftsjournalist und Kommunikationsberater. Er lebt und arbeitet in Berlin.