Kanalsanierung im Gewerbebetrieb – worauf Unternehmen achten sollten
Das Abwassersystem eines Unternehmens gehört zu jenen Infrastrukturen, die nach dem Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ funktionieren – solange sie funktionieren. Doch für Gewerbebetriebe, Industrieanlagen und Immobilienverwaltungen kann ein marodes Kanalsystem schnell zum betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Albtraum werden. Von Produktionsausfällen durch Rückstau bis hin zu empfindlichen Umweltstrafen bei Bodenkontamination: Die Risiken sind vielfältig.
Dieser Artikel beleuchtet, worauf Unternehmen bei der Kanalsanierung durch https://koegler-kanaltechnik.de/ achten müssen, welche modernen Verfahren Zeit und Geld sparen und warum Proaktivität die beste Strategie ist.
1. Die rechtliche Verantwortung: Mehr als nur Abwasser
Für Gewerbetreibende gelten oft strengere Regeln als für Privathaushalte. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) in Deutschland schreibt vor, dass Abwasseranlagen so errichtet und betrieben werden müssen, dass die Anforderungen an den Gewässerschutz eingehalten werden.
Besonders relevant ist hier die Dichtheitsprüfung. Undichte Kanäle können dazu führen, dass produktionsspezifische Abwässer (die oft aggressiver sind als häusliches Abwasser, z. B. durch Chemikalien, Fette oder Öle) ins Erdreich und Grundwasser gelangen. Umgekehrt kann Fremdwasser eindringen und die Kläranlagen belasten.
Unternehmen sind verpflichtet, den ordnungsgemäßen Zustand ihrer Entwässerungsanlagen nachzuweisen. Je nach Bundesland und Wasserschutzgebiet gelten unterschiedliche Fristen für die Erst- und Wiederholungsprüfung (oftmals geregelt in der Eigenkontrollverordnung). Ein Verstoß gegen diese Auflagen ist kein Kavaliersdelikt und kann bei Umweltverschmutzung strafrechtliche Konsequenzen für die Geschäftsführung haben.
2. Warnsignale erkennen: Wann Handlungsbedarf besteht
Oft kündigen sich Schäden an, bevor der „Super-GAU“ eintritt. Facility Manager und technisches Personal sollten auf folgende Indikatoren achten:
- Häufige Verstopfungen: Wenn Toiletten oder Bodenabläufe in der Produktion regelmäßig schlecht ablaufen, liegt oft ein strukturelles Problem (Wurzeleinwuchs, Scherbenbildung, Rohrbruch) vor.
- Geruchsbelästigung: Faulige Gerüche im Gebäude oder auf dem Betriebsgelände deuten auf undichte Stellen oder mangelnde Belüftung hin.
- Absackungen im Außenbereich: Senkt sich das Pflaster auf dem Parkplatz oder dem Hof, kann dies auf ein eingestürztes Rohr hinweisen, das Erdreich ausspült.
- Feuchte Wände: In Souterrain-Büros oder Lagerräumen kann aufsteigende Feuchtigkeit ein Indiz für defekte Grundleitungen sein.
3. Die wirtschaftliche Gefahr: Betriebsunterbrechung
Für ein produzierendes Gewerbe, ein Hotel oder ein Logistikzentrum ist eine Baustelle der Feind des Tagesgeschäfts. Muss der Boden in einer Produktionshalle aufgerissen werden, um Rohre zu tauschen, stehen Maschinen still. Muss der Hof aufgebaggert werden, ist die Logistik blockiert.
Daher ist der wichtigste Aspekt bei der Kanalsanierung im Gewerbe: Minimierung der Betriebsunterbrechung.
Hier kommt die moderne Technologie ins Spiel. Unternehmen sollten bei der Auftragsvergabe fast immer auf grabenlose Sanierungsverfahren bestehen, sofern dies technisch möglich ist.
4. Grabenlose Sanierung: Die Lösung für den laufenden Betrieb
Die grabenlose Sanierung (auch „No-Dig-Verfahren“ genannt) ist der Goldstandard für gewerbliche Sanierungen. Dabei wird das alte Rohr nicht ausgegraben, sondern von innen repariert.
Das Schlauchliner-Verfahren (Inliner)
Dies ist die gängigste Methode. Ein mit Kunstharz getränkter Textilschlauch wird über einen vorhandenen Schacht in das defekte Rohr eingeführt. Anschließend wird er mit Luft- oder Wasserdruck an die alte Rohrwand gepresst und ausgehärtet (oft mittels UV-Licht). Die Vorteile für Unternehmen:
- Schnelligkeit: Oft ist die Sanierung an einem Tag abgeschlossen.
- Kein Bagger: Der Boden bleibt zu, Parkplätze und Zufahrten bleiben nutzbar.
- Langlebigkeit: Das Ergebnis ist praktisch ein „neues Rohr im alten Rohr“ mit einer Lebensdauer von bis zu 50 Jahren.
- Kosten: Da Erdarbeiten und Wiederherstellung der Oberflächen entfallen, ist dieses Verfahren oft günstiger als die offene Bauweise.
Partielle Sanierung (Kurzliner)
Bei punktuellen Schäden (z. B. nur ein Riss oder eine undichte Muffe) muss nicht das ganze Rohr saniert werden. Ein kurzes Stück harzgetränktes Glasfasergewebe wird an die schadhafte Stelle geschoben und dort verpresst. Das ist extrem kosteneffizient.
5. Der Ablauf: Planung ist alles
Eine professionelle Kanalsanierung im Gewerbebetrieb folgt einem klaren Schema:
- Reinigung und TV-Inspektion: Zuerst muss der Kanal mittels Hochdruckspülung gereinigt werden. Danach fährt eine Spezialkamera durch das Rohrsystem. Dies ist der wichtigste Schritt: Ohne exakte Diagnose keine Sanierung.
- Sanierungskonzept: Ein zertifizierter Kanalsanierungsberater wertet die Bilder aus. Er entscheidet, welches Verfahren (Inliner, Kurzliner, Flutung oder doch offene Bauweise) technisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll ist.
- Durchführung: Die Arbeiten werden idealerweise in betriebsarmen Zeiten (Wochenende, Betriebsferien) oder so getaktet, dass sie den Ablauf kaum stören.
- Dichtheitsprüfung & Dokumentation: Nach Abschluss muss eine erneute Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 erfolgen. Das Unternehmen erhält ein Protokoll und Videomaterial als Nachweis für Behörden und Versicherungen.
6. Auswahl des Dienstleisters: Güteschutz vor Billigangebot
Der Markt für Kanalsanierung ist groß und unübersichtlich. Für Unternehmen ist es essenziell, nicht den billigsten „Rohrreiniger“ zu beauftragen, sondern spezialisierte Fachfirmen.
Worauf Sie achten sollten:
- Zertifikate: Achten Sie auf das RAL-Gütezeichen Kanalbau (z. B. Beurteilungsgruppe S für Sanierung). Dies garantiert, dass Personal und Technik regelmäßig extern geprüft werden. Auch die Mitgliedschaft im RSV (Rohrleitungssanierungsverband) ist ein Qualitätsmerkmal.
- Referenzen: Hat die Firma Erfahrung mit Gewerbeobjekten? Die Sanierung eines Einfamilienhauses unterscheidet sich massiv von der eines Chemiebetriebs oder einer Großküche (Thema Fettabscheider!).
- Ingenieurleistung: Bei komplexen Netzen sollte ein unabhängiges Ingenieurbüro die Planung übernehmen und die ausführende Firma überwachen.
7. Steuerliche Aspekte und Werterhalt
Kaufmännisch betrachtet ist die Kanalsanierung eine Erhaltungsaufwendung. Sie dient dazu, die Immobilie in einem nutzbaren Zustand zu halten. Daher sind diese Kosten in der Regel sofort als Betriebsausgaben abzugsfähig. Handelt es sich jedoch um eine wesentliche Verbesserung (z. B. Vergrößerung des Rohrdurchmessers oder komplette Neuverlegung), kann es sich um herstellungsnahen Aufwand handeln, der abgeschrieben werden muss. Hier ist die Rücksprache mit dem Steuerberater zwingend.
Darüber hinaus sichert ein intaktes Kanalsystem den Werterhalt der Gewerbeimmobilie. Bei einem eventuellen Verkauf der Immobilie ist ein Dichtheitsnachweis heute fast immer Teil der Due-Diligence-Prüfung. Ein sanierungsbedürftiges Kanalsystem kann den Verkaufspreis massiv drücken.
