Zahlungsmittel: Ist die Lastschrift für Start-ups uninteressant?

Trotz der Digitalisierung und der Entwicklung alternativer Zahlungsmethoden ist die Lastschrift eine der beliebtesten Zahlungsmethoden im deutschsprachigen Raum. Was bedeutet sie jedoch für Start-ups und was ist die oft diskutierte Problematik der Lastschrift? Ein Exkurs in die Welt der Zahlungsmittel.

Was ist die Gläubiger-Identifikationsnummer?

Seit 2014 ist die Gläubiger-Identifikationsnummer eine Grundvoraussetzung, um die Lastschrift im europäischen Raum verwenden zu können. Damit soll Problemen vorgebeugt und mehr Transparenz für die Regierungen geschaffen werden, denn schließlich handelt es sich bei der Lastschrift um eine Zahlungsmethode. Banken können mithilfe der ID Zahlungen nachverfolgen und Gläubiger identifizieren, da diese mit ihrer eigenen Kennnummer ausgestattet werden.

Was ist eine Gläubiger-Identifikationsnummer (ID)? Die Gläubiger-Identifikationsnummer berechtigt Unternehmen und Behörden, eine Lastschrift zu erheben.

Woher bekommt man die Gläubiger ID? Von der Bundesbank. Anträge werden ausschließlich online durchgeführt.

Wie sieht die Gläubiger-ID aus? In Deutschland beginnt die Identifikationsnummer mit der Länderbezeichnung „DE“ und besteht aus 18 Stellen.

Die Lastschrift als beliebtes Zahlungsmittel

In ganz Europa sollen Lastschriften laut Studien der Europäischen Union einen Zahlungsanteil von 22 % haben, während Kartenzahlungen lediglich 48 % aller bargeldlosen Zahlungen im Jahr 2019 ausmachten. Dies ist eine beträchtliche Zahl im Angesicht der Digitalisierung, die Online-Banking und digitale Überweisungen weiterhin vorantreibt. Im vergangenen Jahr verdiente Amazon mit seiner deutschen Plattform beispielsweise 30 Milliarden USD und das bei einer Webseite, die im Grunde Kreditkartenzahlungen priorisiert.

Nicht jeder Kunde oder User hat heute automatisch eine Kreditkarte. Gerade in Deutschland und Österreich ist das Bargeld nach wie vor eine Hauptzahlungsmethode, denn sie ist einfach, sicher und zuverlässig. Ähnlich verhalten sich Kunden, wenn es um die Lastschrift geht, denn diese macht es besonders einfach für User, ihre Daten einzutragen. Zudem wird sie im gesamten Europäischen Zahlungsraum (SEPA ‒ Single Euro Payment Area) akzeptiert, womit Lieferungen aus anderen Ländern deutlich simpler werden.

Im Vergleich dazu sind die Erstellungen von Online-Konten bei Online-Diensten wie PayPal oftmals kompliziert und verlangen zusätzliche Schritte (wie das Erheben kleiner Beträge eines Kontos, wenn keine Kreditkarte vorhanden ist), was es vor allem schwieriger für ältere Kunden macht, diese Dienstleistungen zu nutzen. Warum ein Konto bei einem neuen Anbieter erstellen, wenn bewährte Methoden wie die Lastschrift weiterhin zur Verfügung stehen?

Quelle: pexels

Es sollte keine Überraschung sein, dass zahlreiche Online-Dienste darum bemüht sind, Lastschriften als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Eines der berühmtesten Beispiele ist eBay, das sich seit seiner Gründung für die Verwendung der Lastschrift einsetzt, ganz wie es von einem internationalen Großkonzern zu erwarten ist. Auch in der Casino-Industrie, die im vergangenen Jahr zahlreiche Ressourcen in die Digitalisierung und Innovation ihres Angebots investiert hat, sind Lastschriften weiterhin ein beliebtes Casino-Zahlungsmittel. Durch die Verwendung der Zahlungsmethode ergeben sich keine zusätzlichen Gebühren für Spieler, während eine reibungslose Abwicklung von Ein- und Auszahlungen im Online-Casino gewährleistet werden kann. Somit können Nutzer bequem ihre Lieblingsspiele spielen.

Die Lastschrift ist nicht nur ein häufiges, sondern für viele Unternehmen auch ein essenzielles Zahlungsmittel. Dies betrifft auch Start-ups, die sich am lokalen Markt durchsetzen wollen, denn wer erfolgreich wirtschaften will, macht dies mit Inklusion.

Neuerungen der Lastschrift seit 2019

Obwohl die Gläubiger-ID und die damit einhergehenden Veränderungen in Bezug auf die Lastschrift nun schon seit 2014 in Verwendung sind, gibt es dennoch Missverständnisse. Gerade in den letzten Jahren sind Fälle in den Medien aufgetaucht, in denen Unternehmen Kunden aus anderen europäischen Staaten diskriminierten. Das Beispiel der Deutschen Bahn, die Lastschriften auf ihrer Webseite anbot, sich allerdings dazu weigerte, diese von österreichischen Kunden zu akzeptieren, war der Kernpunkt bei der EuGH-Änderung im Jahr 2019.

Lastschriften müssen heute für alle EU-Mitgliedsstaaten gleichermaßen zur Verfügung stehen, ohne dass Kunden aus vereinzelten Ländern von Geoblocking betroffen sind. Eine Zahlung darf nicht automatisch abgewiesen werden, weil ein Kunde in einem bestimmten Land lebt. Dies soll laut EuGH einen fairen Service garantieren, der allerdings gerade für Start-ups und kleinere Unternehmen eine erste Hürde darstellt, denn in den meisten Fällen fehlen das Kapital und die Ressourcen, um die Lastschrift anbieten zu können.

So sind Bonitätsprüfungen in anderen europäischen Ländern beispielsweise teurer oder nur schwierig möglich. Die vor kurzem eingeführte Zwei-Faktor-Authentifizierung zeigt zudem, wie wichtig der Datenschutz im Finanzwesen geworden ist. Bedeuten die Änderungen des EuGH nun das langsame Verschwinden einer beliebten Zahlungsmethode? Nicht unbedingt. Die Lastschrift stand schon vor 2014 im Diskurs, hat sich heute jedoch in eine weitreichendere Zahlungsmethode entwickelt, die im SEPA-Raum täglich verwendet wird. Ob sich Start-ups für die Zahlungsvariante entscheiden, hängt im Endeffekt von ihren potenziellen Kunden und angebotenen Dienstleistungen und Produkten ab. Der große Marktanteil spricht weiterhin für ein breites Angebot an Zahlungsmethoden.