Vollgas in der Startup-Szene

Immer mehr Startups entdecken Autos und Motoren für ihre neuen Ideen. Dabei steht eines klar im Fokus: Es muss digitaler und umweltfreundlicher sein. Der Trend für eine neue Generation hat sich bereits mit innovativen Geschäftsmodellen sehr erfolgreich gezeigt. Der Start einer neuen Bewegung?

Odokar lautet der Name des Berliner Unternehmens, das die veralteten Regularien der Fahrschulen auf einen neuen Stand bringen will. Was von der französischen Muttergesellschaft im Heimatland schon für einen hohen Marktanteil sorgt, soll auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden. Das Konzept von Odokar klingt vielversprechend: Statt der persönlich abgehaltenen Theorie-Stunden werden die einzelnen Module als digitaler Inhalt den Fahrschülern zu Verfügung gestellt. In diversen Blöcken arbeiten die Teilnehmer des Kurses die Fragen und Aufgaben selbstständig ab und eignen sich das notwendige Wissen somit didaktisch selbst an. Feste Zeiten, Schulungen mit Mindestteilnehmerzahl und Räumlichkeiten bedarf es seitens der Fahrschule nicht mehr. Der positive Effekt: Beide Seiten sparen einen erheblichen Teil an Kosten ein. Für die Fahrschule entfallen Miete für Räumlichkeiten, Personalkosten und Organisation der Materialien. Diese Ersparnis kommt wiederum den Teilnehmern zu Gute, die mit geringeren Prüfungskosten rechnen dürfen. Das Konzept scheint ein Plus für beide Seiten zu sein, das bereits auf breites Interesse stößt.

Autorennen für die Umwelt

Ein ganz anderes Modell verfolgt das Startup Formel E. Bereits 2014 in Peking präsentiert, wurde die Rennserie noch von den großen Mitbewerbern belächelt. Formel 1 und Nascar sind die Platzhirsche, die mit dem klassischen Motorensport Geld verdienen. Die Popularität der Rennen ist ungebrochen, was zum einen an den Sponsorenverträgen zu erkennen ist und auch an den hohen Wetteinsätzen. Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton erzielen im Formel 1-Rennen Quoten zwischen 1.75 und 3.5 bei Wetten mit Betfair und machen mit ihren Siegen die Spieler glücklich. Formel E setzt also bei einem beliebten Unterhaltungsfaktor an und entwickelt diesen weiter. Zu Gunsten der Umwelt wird die gesamte Rennserie mit Strom betrieben. In Zeiten der Nachhaltigkeit springen viele Unternehmen und Sponsoren auf diesen Zug auf und Summen in Millionenhöhe in die Formel E investiert. Spaß, Umweltschutz und satte Gewinne in einer Idee. Audi und der Schweizer Energiekonzern ABB haben bereits ihre Zusage gegeben.

Überzeugungsarbeit gehört immer dazu

Mechanismen und Konzepte, die über Jahrzehnte lang als bewährtes Modell Bestand gezeigt haben, schaffen den Sprung in das neue Zeitalter nur selten auf Anhieb. Was bei der Formel E zum Selbstläufer geworden ist, wird bei Odokar noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Mit der Berliner Filiale hat das Startup seinen Prototypen bereits gestartet und ist mit einem Preis, der ca. 40 % unter den gängigen Fahrschulpreisen liegt, auf dem Markt vertreten. Die Überzeugungsarbeit fokussiert sich besonders im Aspekt der Sicherheit. Befürchtungen erhöhter Unfallquoten sind eine legitime Frage, doch ein Zusammenhang ist ein reines Mutmaßen. Denn auch Schüler der klassischen Theoriestunden sind vor Verkehrsunfällen nicht gewappnet und sind im täglichen Verkehr dem gleichen Risiko ausgesetzt wie jeder andere Verkehrsteilnehmer auch. Am Ende ist es die praktische Erfahrung, die zählt. Diesen Punkt hat auch Odokar bedacht und ändert an der praktischen Prüfung nichts. Die Bedenken wären somit hinfällig. Die Debatte wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das Geschäftsmodell seinen deutschlandweiten Launch erlebt.

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