Magischer Moment: Einhörner in der Start-up-Branche

Erlangt ein Start-up schon vor seinem Gang an die Börse oder einem Exit eine Marktbewertung von über eine Milliarde US-Dollar, bezeichnet man dieses als seltenes Einhorn. Mit dieser Benennung, die sich 2015 in der Wirtschaft fest etablierte, soll primär die Seltenheit der angesagten Unternehmen hervorgehoben werden. Erscheinungen, die fast so magisch sind wie die Fabelwesen selbst.

In der Regel verbindet man junge Start-ups weniger mit zauberhaften Elementen als mit durchgemachten Nächten und jeder Menge Arbeitseinsatz. Dass zu Beginn mehr Schweiß, Gehirnschmalz und Ausdauer in Projekte investiert werden muss und das Resultat weniger Lohn ist, ist eine Gleichung, die man einfach akzeptieren muss. Das Bild eines Jungunternehmers, der mit Augenringen von Pitch zu Pitch rast, immer in der Hoffnung, dass sich seine Unternehmensidee am Wirtschaftsmarkt etablieren wird, scheint realistischer als der große Geldregen nach kurzer Zeit. Mit etwas Glück zahlt sich der Aufwand jedoch aus. Neben attraktiven Gewinnen gehört der Gang an die Börse oder das Investment von Kapitalgebern zu den größten Augenblicken im Lebenszyklus eines Start-ups. Bei den allerwenigsten Unternehmen liegt die Firmenbewertung schon vor diesem Zeitpunkt bei mindestens einer Milliarde US-Dollar. Die wenigen Auserwählten, die eine solche Bewertung verzeichnen dürfen, tragen den Namen des Unicorns. Sie bewiesen früh, dass sie eine hervorragende Idee hatten, sodass ihre Investoren ausreichend finanzielle Mittel beisteuerten und eine kleine Idee zum großen Player am Markt machten.

Beispiele großer und kleiner Einhörner

Für außenstehende Betrachter ist dabei verwunderlich, welche Firmen das Vertrauen und den Zuspruch von Investoren erhalten. Auf den ersten Blick sind diese eher ungewöhnlicher Natur. Während sich der Otto Normalverbraucher noch an angesagten Themen wie Streaming, Online Shopping oder Lieferservices orientiert, blicken Geldgeber in die Zukunft. Wer auf der Suche nach solchen Wirtschaftswundern ist, sollte sich auf die Vereinigten Staaten und China konzentrieren. Hier lassen sich die meisten vergangenen, potenziellen und gegenwärtigen Einhörner entdecken. England als kleinere Nation befindet sich derzeit auf dem dritten Platz, dicht gefolgt von Indien, Südkorea und Deutschland.

Die Märkte, die aktuell boomen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Blockchain-Technologien sind derzeit stark gefragt und werden durch das Vorantreiben der Kryptowährungen immer relevanter. Erst kürzlich verkündete die Sparkasse, dass sie mit einem Pilotprojekt für ein Krypto-Girokonto den Vorstoß in ein neues Zeitalter wagt. Zwar leiden Bitcoin und Co. unter erheblichen Wertschwankungen, doch die Investitionen könnten sich lohnen.

Im Unterhaltungssektor ist nach wie vor einiges im Umbruch: Der Markt der Online Casinos etwa erfreut sich eines starken Wachstums. Die besten Online Casinos begeistern Nutzer mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Slot-Automaten und Live Poker-Spielen, die durch ausgeklügelte und sich stetig entwickelndeTechnologine das Gefühl eines echten Casino-Besuchs vermitteln. Laut dem Bericht 2021 der Branche soll der Markt in den nächsten Jahren um bis zu 12 % anwachsen.

Auch Streaming-Service Netflix kann dieses Jahr gute Zahlen verschreiben. Im dritten Quartal 2021 ist die Anzahl von Mitgliedschaften weiter angestiegen, was zu einem rekordverdächtigen Umsatzwachstum führte. Der Streamingdienst, der seit 2016 global verfügbar ist, bietet Usern eine breite Palette an Filmen, Serien und Dokumentationen. Mit regionalem Content wie „Squid Game“ wurde beispielsweise ein regelrechter Hype ausgelöst, der Netflix zu einem absoluten Hot-Topic machte.

Ähnlich rosige Aussichten wird es im Segment Home-Office geben. Unternehmen und Firmen, die sich auf die Vereinfachung der Arbeit aus den eigenen vier Wänden spezialisieren, dürften sich auf eine goldene Zukunft freuen. Das Verständnis der Arbeitswelt hat sich gewandelt und zugunsten der Arbeitnehmer flexibler gestaltet. Vereinfachte Schnittstellen, technische Lösungen und Tools, die das Arbeiten ortsungebunden ermöglichen, sind im Wandel von Business-Gestaltungen unabdingbar.

Aber wie lässt sich ein Unternehmen überhaupt bewerten und kann solche Summen erzielen? Hier kommt es auf die Aspekte langfristigen Zukunftsaussichten, Entwicklungschancen, Risikofaktoren und Bedarf an. Ein Einhorn, welches erst Ende 2020 an die Börse ging und aus Amerika kommt, ist die Buchungsplattform Airbnb. Als Online-Portal für Vermietung von privaten Unterkünften bietet es die optimale Alternative zu Hotels. Beim Börsenstart im Dezember 2020 lag der Marktwert bei fast 102 Milliarden Dollar.

Von deutschen Einhörnern

Im deutschen Raum sind finanzstarke Start-ups seltener gesichtet. Doch es gibt Ausnahmen, die sich sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart etabliert haben. Sie zeigen, dass auch deutsche Ideen milliardenschwer sein können.

Als deutscher Online-Versandhändler für Schuhe, Kleidung und Kosmetikartikel beliefert Zalando 23 europäische Märkte und ging 2014 mit einem Marktwert von 6 Milliarden Euro an die Börse. 2017 machte HelloFresh es mit einem Wert von 1,7 Milliarden Dollar nach. Sie liefern Kochboxen inklusive passenden Rezepten und Lebensmitteln deutschlandweit und erleichtern selbst Fast Food-Fans das Kochen. Die deutsch-britische FinTech-Unternehmen Sumup dagegen wartet noch auf ihren Börsengang. Mit ihrem System wollen sie die EC- und Kreditkartenzahlung über Smartphone oder Tablet etablieren. Ziel ist es unterschiedliche Bedürfnisse mit verschiedenen Tarifen abzudecken. Ein Konzept, das bereits zu zahlreichen Finanzspritzen in Millionenhöhe führte. Auch Flixmobility/Flixbus, die eine preisgünstigere Alternative zum herkömmlichen Personenverkehr stellt, darf in dem Reigen nicht fehlen. Gegründet in 2011 München, wird das Streckennetz auf dem Landweg immer weiter ausgebaut. 2016 gelang dem Unternehmen der Aufstieg zum Unicorn.

Langer Atem

Die Welt der Einhörner ist bunt und wird vor allem immer größer. Im Schnitt dauert es rund sieben Jahre, bis ein Unternehmen an die Börse geht. Vielversprechende Start-ups, die mit neuen Ideen den Markt revolutionieren wollen, stehen in den Startlöchern. Blinkist und Babbel könnte der Sprung zum Einhorn bald gelingen. Bei Blinkist werden Bücher auf ihre Kernthesen zusammengefasst und dem Nutzer zum Hören oder Lesen bereitgestellt. Babbel unterstützt Menschen virtuell beim Lernen von Fremdsprachen. Leider wurde der geplante Börsengang für die Sprachlern-App kurzfristig abgesagt.

Es zeigt sich, dass Einhörner selbst in der trockenen Wirtschaftswelt eine faszinierende Wirkung haben und ambitionierte Gründer nach den Sternen greifen dürfen. Der Weg vom kleinen Unternehmen zum Global Player muss kein Traum bleiben. Wenn Apple in einer kleinen Garage seinen Siegeszug um die Welt antreten konnte, kann der Traum vom großen Geld auch von anderen Gründern geträumt werden.