Als Gründerin schwanger – Was jetzt?

Als Gründerin schwanger – Was jetzt?

Nun habe ich vor einigen Wochen meine Kolumne über die Familienplanung in der Gründungszeit geschrieben und war der Meinung, dass dies in meinen Augen immer die private Angelegenheit der Gründer sei. Damals wusste ich noch nicht, dass ich kurze Zeit später selber schwanger bin.

Es ist eine geplante Schwangerschaft

Ich bin jetzt in der 17. SSW (5. Monat) und es eine geplante Schwangerschaft ist. Auch wenn mir mehrere Ärzte, mir bei normalen Kontrolluntersuchungen mitteilten, dass ich niemals schwanger werden würde, entschlossen wir uns Ende letzten Jahres, das Schicksal solle entscheiden. Das Schicksal wollte es uns schnell beweisen und so wurden wir doch etwas überrascht. Es gibt calistam erst seit Oktober 2015 und nun kommt ein Jahr später ein Kind dazu. Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt, denn die Prognosen waren ganz klar andere. Nach der ersten Überraschung, freuen wir uns nun aber sehr. Gerade da ich die Herztöne schon hören durfte, ist es auch langsam real für uns, dass wir bald zu dritt sind.

Startup aktuelles Baby

Bisher war unser Baby immer calistam. Um unseren Lebensunterhalt zu finanzieren, hatten wir vor dem Start entschieden, dass Stefan weiter arbeiten geht und ich calistam in Vollzeit betreibe. Jede freie Minute stecken wir in dieses Unternehmen und in die Idee dahinter Menschen in unseren kleinen Lieblingsladen zu lassen und ihnen die tollen und einzigartigen Produkte der Gründer und Jungunternehmer zu zeigen. Es gab schon so viele schöne Erlebnisse, wie zum Beispiel die Nachricht einer Kundin, die sehr kurz vor Weihnachten bestellt hatte. Ich hatte ihr mitgeteilt, dass wir unser Bestes tun, aber nicht wissen, ob das Geschenk rechtzeitig ankommt. Sie hatte sich nach Weihnachten gemeldet und das Paket war wirklich noch vor Weihnachten angekommen. Sie hatte ebenfalls bei einem anderen Marktplatz per Express bestellt und dieses Paket kam trotz früherer Bestellung erst nach Weihnachten an. Diese Kleinigkeiten freuen uns am meisten. Genauso wenn uns begeistere Kunden schreiben und wir das Lob an den entsprechenden Partner weitergeben können. Natürlich gab es auch schwierige Momente: Am meisten ist mir hier das Ende der Juice Dudes im Gedächtnis geblieben. Die drei Jungs waren mir sehr ans Herz gewachsen und ihre frische Berliner Art und ihre Leidenschaft hat mich bei jedem Telefonat begeistert, aber es klappt nicht immer, obwohl ich mir sicher bin, dass die Jungs ihren Weg finden werden. Ich bin froh, dass die schönen Momente überwiegen und ich zusehen kann, wie unsere Partner wachsen, neue Ideen entwickeln und immer neue Partner dazu kommen. Genauso hatte ich es mir vorgestellt.

Zukunftsplanung mit Kind

Mir ist aber klar, dass ab Oktober, wenn unser Kind zur Welt kommt, meine Zeit weniger sein wird. Die ersten Wochen habe ich nicht viel darüber nachgedacht, aber nach meinem ersten Gespräch mit meiner Ärztin, die mir sagte, ab wann mein Mutterschutz beginnt, wurde mir klar, das ich definitiv kürzer treten werde. Wie wollen wir es machen? Es gibt einige Möglichkeiten: Wir könnten eine Aushilfe einstellen, dabei hatten wir uns vorgenommen bis Juli das komplette Geld, was calistam einnimmt in Werbung einzusetzen. Das Startup wirft aktuell allerdings noch nicht genug Geld ab, um jemanden zu bezahlen und diese Person müssten wir erst einmal finden und einarbeiten. Ich habe von der Familie viel Unterstützung angeboten bekommen, aber ein sehr großer Bereich sind die sozialen Netzwerke und dort kennt sich meine Familie nicht wirklich aus. Außerdem beantworte ich auch oft spät abends oder am Wochenende Kundenanfragen, das kann ich von der Familie nicht verlangen. Calistam hat 24 Stunden am Tag geöffnet und so ist eine permanente Betreuung notwendig. Wie soll das jemand aus der Familie neben seinem Job leisten?

Ich könnte auch weiter arbeiten, aber sind wir realistisch, das wird gerade kurz vor und nach der Geburt etwas schwierig. Natürlich könnte Stefan Urlaub nehmen und diese Aufgaben übernehmen, aber auch er möchte seinen Urlaub mit unserem Kind verbringen und dann nicht arbeiten. In den ersten Wochen der Schwangerschaft habe ich schon gemerkt, da es mir nicht so gut ging und ich mit einigen Beschwerden zu kämpfen hatte, wie calistam darunter gelitten hat. Calistam für eine Zeit zu schließen, würde bedeuten danach quasi wieder einen Neuanfang zu starten und die ganze Arbeit und Energie der letzten Monate wäre verloren. Viele Kunden würden das sicher nicht verstehen und denken, es gebe calistam nicht.

Mir wurde dann noch vorgeschlagen, das Unternehmen zu verkaufen, aber calistam ist noch sehr jung. Die anfallenden Kosten werden zwar durch die Einnahmen gedeckt und es kann auch noch Geld in Werbung investiert werden. Außerdem sind wir der Meinung, mit unseren wenigen Mittel, die wir eingesetzt haben, sind wir schon sehr weit gekommen. Das Vertrauensverhältnis zu den Partnern ist sehr groß. Ich müsste also jemanden finden, der quasi fast so denkt wie wir. Wie soll ich so jemanden finden? Dadurch müssten wir uns auch von unserem “Baby“ verabschieden und ich müsste mir überlegen, wie ich danach beruflich weitermache.

Ungewissheit ein ständiger Begleiter

Wie vermutlich deutlich zu erkennen ist, haben wir noch keine Lösung gefunden. Jede Situation ist anders und manche Gründerinnen finden sich in einer dieser Lösungen sofort wieder. Haben es vielleicht vorher mehr durchdacht, was wir nicht haben und natürlich hätten wir das auch machen können. Nun ist es aber so und ich denke eine Schwangerschaft kommt selten genau im richtigen Moment. Das würden wir vielleicht gerne genau planen, aber die Natur macht solchen Plänen gerne einen Strich durch die Rechnung. Es ist noch etwas Zeit und die nutzen wir. Immer wieder sprechen wir über die unterschiedlichen Möglichkeiten und spielen auch neue Konstellationen durch. Ich bin gespannt, ob irgendwann der Moment kommt, wo wir eine Lösung finden, die für uns nicht nach einem Kompromiss klingt oder ob wir irgendwann einfach eine der genannten Varianten wählen müssen und dann die Konsequenzen tragen.

 

Maybritt Reumann

Maybritt Reumann ist 27 und Gründerin und Geschäftsführerin von calistam, dem veganen, gluten- und versandkostenfreien Marktplatz mit besonderen Produkten von ausgewählten Partnern.