Was ist mit der Familienplanung?

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Wer gründet und seine Festanstellung kündigt, der arbeitet viel und gefühlt immer. Es hat aber auch Vorteile, denn Arzttermine können flexibel vereinbart werden und auch sonst schreibt dir keiner vor, wann du arbeiten sollst. Allerdings gibt es auch nicht wirklich einen Kollegen, der dich vertritt, wenn du mal krank bist oder wenn du in den Urlaub fährst. Das muss immer gut geplant sein und die Arbeit wird oft mitgenommen und dann einfach aus dem Bett oder am Strand erledigt. Deshalb sind all das wichtige Punkte, die bei der Abwägung, ob der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige Weg ist, unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Das richtige Alter zum Gründen

Meist kommt dabei auch die Frage auf: „Habe ich das richtige Alter und damit genug Erfahrung zum Gründen?“ Wird direkt nach der Uni gegründet, gibt es meist noch nicht viele finanzielle Verpflichtungen, dafür gibt es oft aber auch kaum Berufserfahrungen. Wird erst nach einigen Jahren im Berufsleben gegründet, liegt oft mehr Erfahrung vor, dafür muss möglicherweise eine Familie mit Kindern versorgt werden. Natürlich kann es auch so sein, dass der Gründer zwar viel Erfahrung in seinem Beruf hat, aber er sein Startup in einem ganz anderen Segment gründet und somit nur auf einen geringen Teil der Erfahrungen zurückgegriffen werden kann. Für mich ist das Alter völlig egal.

Ein Absolvent kann schon in dem Bereich gearbeitet haben, in dem er sein Startup etablieren will oder einfach genug Mut und Energie mitbringen, um sich die nötigen Erfahrungen anzueignen. Genauso wie jemand aus dem Berufsleben, der zwar schon gearbeitet hat, aber ihm dieses Wissen nicht weiterhilft. Jeder muss selber schauen, ob er denkt, bereit zu sein, sich diesem Leben als Gründer zu öffnen, denn Sie wissen erst, was Sie erwartet, wenn Sie den Schritt gewagt haben. Ich bin Mitte zwanzig und fühle mich jung und trotzdem erwachsen. Ich habe mir keine Gedanken übers Alter gemacht, sondern habe einfach gegründet und stelle mich gerne den Herausforderungen, die mich erwarten, denn das macht das Startup-Leben doch so spannend.

Als Frau gründen

Nun gründe ich zwar nicht alleine, aber führe das Unternehmen alleine und das als Frau. Ich bin 27 Jahre alt und somit kommt eine Frage relativ oft auf mich zu: „Aber wie ist das dann mit der Familienplanung?“. Ich habe schon vorher von anderen Gründerinnen gehört, dass sie diese Erfahrungen gemacht haben, aber warum? Diese Frage wird scheinbar nicht Gründern gestellt, sondern nur den Frauen in der Startup-Szene. Na klar, ich bin seit fast vier Jahren verheiratet und mit meinem Mann seit 10 Jahren zusammen, aber müssen wir deshalb jetzt Kinder kriegen? Ist das nicht alles ein Klischee? Und warum sollte er nicht zu Hause bleiben, wenn wir jetzt entschließen würden, ein Kind zu kriegen oder viel mehr, warum ist das Thema Kinder scheinbar vom Tisch, da ich jetzt mein eigenes Unternehmen gegründet habe? Wir haben sehr jung geheiratet, ich war damals 23 Jahre und ich denke so haben wir doch noch Zeit, uns die Kinderfrage später zu stellen oder nicht?

Viel mehr stört mich aber an dieser Frage, dass sich andere Menschen in unser Leben einmischen. Wir werden schon darüber geredet haben oder eben nicht, aber das ist uns überlassen und all den anderen Gründerinnen, die es ebenfalls gibt. Wir sind zwar Frauen und die Natur hat entschieden, wir bringen die Kinder zur Welt, aber nicht mehr und auch nicht weniger. Wie es dann weitergeht, ist nicht festgelegt, sondern den werdenden Eltern überlassen. Sie können selber überlegen, wie sie das machen und natürlich müssten wir schauen, wie es mit calistam weitergeht, wenn wir ein Kind bekommen würden, denn calistam braucht auch sehr viel Zuwendung und kann nicht einfach für Tage oder sogar Monate zur Seite gelegt und später daran weitergearbeitet werden. Calistam muss täglich betreut und bedient werden, aber diese Frage stellt sich nicht jetzt und nicht morgen.

Reaktion der Familie

Ich bin aber ganz froh, dass wir diese Äußerung nicht wirklich in der Familie gehört haben. Aus der Familie wurde hauptsächlich die Sorge geäußert, wie wir das finanziell schaffen wollen. Das ist eine Frage, die mich weniger ärgert, da die Personen sich meist nur fürsorglich Gedanken machen. Ob die Familie und Freunde sich Gedanken über „unseren“ Nachwuchs macht, habe ich nicht wirklich erlebt und darüber bin ich auch froh.

Übrigens eins sei dabei gesagt, die Frage „Familienplanung“ höre ich eher von Frauen als von Männern. Müssen wir Frauen hier also umdenken, uns selber mehr zutrauen und die Rolle der Frau neu definieren? Ich werde diese Frage sicher keiner Gründerin stellen, es interessiert mich aber auch nicht, ob andere möglicherweise Kinder bekommen wollen. Wenn ich sie kenne, werden sie es mir schon früh genug selber erzählen.

 

Maybritt Reumann

Maybritt Reumann

Maybritt Reumann ist 27 und Gründerin und Geschäftsführerin von calistam, dem veganen, gluten- und versandkostenfreien Marktplatz mit besonderen Produkten von ausgewählten Partnern.


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