Stundenlohn in der Gründungszeit

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Das eigene Geld verdienen mit dem eigenen Unternehmen klingt schön und möchte sicherlich jeder Gründer schnell erreichen, aber ist das auch so leicht? Natürlich gibt es Gründer, die gleich direkt im Markt einsteigen und richtig Geld verdienen, aber ich vermute, das ist genauso wahrscheinlich wie im Lotto zu gewinnen. Ich bin zwar ein Glückskind, aber so schnell geht es bei mir nicht.

Kapital für die Gründung

Bevor ein Startup überhaupt an den Markt kommt, ist schon Geld dafür in die Hand genommen worden. Eine Gründung gibt es nicht umsonst, sondern dafür muss bezahlt werden. Die Kosten unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Das hat viel mit der Rechtsform zu tun, aber auch andere Faktoren fließen hier ein. Unsere Gründung hat uns mit dem Stammkapital, welches wir in unsere UG (kleine GmbH) eingezahlt haben, knapp 4.000€ gekostet und dann waren wir erst online. Das klingt viel, aber ist eine der günstigeren Gründungen einer UG. Wir haben kein eigenes Produkt, mussten also auch nicht vorher Testphasen planen und bezahlen.

Ungeplante Ausgaben

Vorher kann ungefähr ausgerechnet werden, wie viel so eine Gründung kostet. Im Internet gibt es viele ganz unterschiedliche Angaben. Du musst aber genau prüfen, welche Quelle offensichtlich seriös ist oder wo du lieber noch einmal auf einer anderen Seite nachliest. Es ist auch möglich z.B. beim Amt direkt nachzufragen, wie viel die Gewerbeanmeldung kostet und bei der Auswahl des Notars vorab zu klären, wie hoch die Kosten sind. Wir haben das auch gemacht und uns rausgesucht, wie viel uns diese Gründung kostet. Trotzdem gab es einige Parameter, wo wir nur ungefähre Zahlen hatten, z.B. beim Logo wussten wir nicht genau, was es uns kosten würde. Genauso war es bei der Eintragung der Marke. Wir wussten zwar, was es kostet, aber wäre der Anwalt darauf gestoßen, das es diese Marke schon gibt und wir hätten deshalb einen neuen Firmennamen gebraucht, wären das höhere Kosten für uns gewesen. Es gibt noch andere Ausgaben, die vorab vielleicht nicht bedacht werden, daher würde ich empfehlen immer etwas Puffer mit einzuberechnen, um nicht gleich bei den ersten Mehrkosten das Vorhaben –Startup- zu kippen.

Zuerst Geld einnehmen

In der Vorstellung ist es leicht: Wir gehen online und dann kommen die Kunden und bestellen bei uns. In der Realität ist es aber sehr schwer, denn das Internet ist riesig. Ich habe mal in einem Artikel gelesen, das Internet sei ein Labyrinth, mit vielen Wegen und Sackgassen. Beim Online-Shop ist es ähnlich, du hast deine Seite online gestellt, aber ohne andere darüber zu informieren, dann wird nicht viel passieren. Vielleicht verläuft sich der ein oder andere auf deine Seite, aber der ist meist genauso schnell wieder weg, wie er da war. Nun gilt es also, die ersten Kunden von der Idee zu überzeugen, um Geld einzunehmen. Wir haben versucht in unserem Rahmen Werbung zu machen und so die ersten Interessenten auf unsere Seite zu bekommen. Das Geld, das wir aus Verkäufen einnehmen, setzten wir immer gleich wieder in Werbung ein, denn wir möchten noch mehr Menschen diese tollen Produkte unserer außergewöhnlichen Partner zeigen. Ich hätte es mir trotzdem etwas leichter vorgestellt und bin überrascht, wie viele Kunden die Seite besuchen und am Ende doch nichts kaufen. Wer dann noch selber Produkte herstellt, hat es oft noch schwerer, er muss am Produkt arbeiten und sich um die Produktion kümmern und dabei auch noch Werbung machen. Messen sind dafür zwar ein guter Ort, in den direkten Kontakt zu treten, aber dabei entstehen auch dementsprechend Kosten, die erst einmal gedeckt werden müssen, bevor das erste Geld eingenommen wird. Wer mal auf einer Messe mit Startups ist, merkt, wie diese sich über jedes verkaufte Produkt freuen, denn so wissen sie, es gibt auch andere die ihr Produkt gut finden. So geht es uns auch, wir freuen uns über jede Bestellung, denn wir wissen, unsere Idee überzeugt auch andere.

Stundenlohn nicht ausrechnen

Nun sind also die ersten Euros eingenommen, ich würde dir trotzdem nicht empfehlen deinen Stundenlohn auszurechnen. Wenn es mal nicht so gut läuft, kommt mir dieser Gedanke manchmal in den Kopf und ich stelle fest, das ich einen miserablen Stundenlohn habe, aber eines und das ist entscheidend ist anders als vorher: Ich bin glücklich und mein Job macht mir wirklich Spaß. Wenn du diesen Satz auch mit Ja beantworten kannst, dann ist es egal wie hoch dein Stundenlohn ist oder ob du bisher überhaupt etwas eingenommen hast. Die Stunden, die für das Startup eingesetzt werden, sind wieder ein Stück näher an dem Ziel, was du dir für dein Startup gesetzt hast. Aktuell nehmen wir zwar schon Geld ein, aber alles fließt sofort zurück ins Unternehmen und das soll auch bis zum Sommer so bleiben. Wir haben von Anfang an so geplant, dass ich die ersten 6 Monate nichts verdiene, sondern alles für Werbung genutzt wird. So habe ich also überhaupt keinen Stundenlohn, aber ich sehe das auch anders: Wenn ein Kunde bestellt oder ich auch einfach nur eine Nachricht von einem Kunden oder Interessierten bekomme, dann habe ich wieder jemanden erreicht und damit zeigt sich mir, dass die Menschen auf calistam aufmerksam werden und scheinbar die Idee hinter dem ganzen gut finden.

Ich bekomme also kein Geld und berechne dieses einfach in zufriedenen Kunden, denn dann mache ich meinen Job gut. Natürlich kann es Startups geben, die sich zu beginn gleich Geld auszahlen, vielleicht auch einfach weil sie es müssen, um ihr tägliches Leben finanzieren zu können, aber ein wirkliches Gehalt gibt es zu Beginn bei den meisten Startup nicht oder es fällt nicht hoch aus. Also lieber nur ein Startup gründen, wenn die Idee wirklich überzeugt und wer weiß, vielleicht wird daraus dann ein Startup was dir später sehr viel Geld einbringt…

 

Maybritt Reumann

Maybritt Reumann

Maybritt Reumann ist 27 und Gründerin und Geschäftsführerin von calistam, dem veganen, gluten- und versandkostenfreien Marktplatz mit besonderen Produkten von ausgewählten Partnern.


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